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Energie: Energiewende - die Hausaufgaben (Teil I: Ressourcennutzung)

Copyright by Michael Bockhorst Samstag, 02. Juli 2011
Vor der von Schwarz-Gelb (und natürlich Grün, Rot und ganz Rot) proklamierten Energiewende stehen wichtige Hausaufgaben an. Wir müssen vorher unser Verhältnis zu unserem Heimatplaneten klären: Wie gehen wir in Zukunft mit den Ressourcen der Erde um?

Hat eine natürliche Wiese ein Überlebensrecht?

Wenn man einen Vertreter der Agrarindustrie fragt: Wohl keines, denn fruchtbares Land ist Grundlage für den Gelderwerb. Eine natürliche - oder besser naturnahe - Wiese bringt keinen Ertrag. Jedenfalls kein Geld.

Wenn man einen selbständigen Landwirt fragt: Wohl keines, denn der kleine Landwirt kann so kaum genügend Geld erwirtschaften, um sein Leben zu bezahlen.

Wenn man einen Biologen fragt: Ein hohes Überlebensrecht, denn die Artenvielfalt wird bewahrt. Und wir wissen schließlich nicht, für welche Aufgaben verschiedene Arten verantwortlich sind, die letztendlich unser Überleben sichern.

Wenn man ein Konsortium aus Immobilienmakler und Bauunternehmung fragt: Wohl wieder keines. Schließlich ist die Bebauung frischen Landes mit neuen Gewerbebauten ein lukratives Geschäft.

Was ist der Preis der Fläche, die wir in Anspruch nehmen? Wie groß sind die Flächen, die wir ohne Folgeschäden in Anspruch nehmen dürfen? Diese Frage müssen wir auch beantworten, wenn wir die Energiewende mit Bioenergieträgern und Windrädern hinbekommen wollen.
Jeder Deutsche hat im Schnitt 4500 Quadratmeter Fläche - natürlich die allermeisten nur rein rechnerisch. Wieviel Biogas kann man auf dieser Fläche produzieren? Wieviel Holz kann man darauf ernten? Und am wichtigsten: Kann ich genügend Nahrung auf dieser Fläche anbauen?
4500 Quadratmeter klingen nach einer großen Fläche. Es ist gerade einmal die Fläche eines Fußballfeldes. Und die Information, dass auf den 1000 Quadratmetern landwirtschaftlicher Nutzfläche - wieder einmal rein rechnerisch, die jedem zustehen, gerade einmal 4500 Kilowattstunden Biogas-Energie gewonnen werden könnten. Bei einem täglichen Bedarf an Primärenergie (aktuell, umgerechnet in Biogas) würden wir bei unserem heutigen Lebensstil mit dem von uns erwirtschafteten Biogas gerade einmal 6 Wochen auskommen! Und die natürliche bzw. naturnahe Wiese wäre weg, die Nahrungsmittel müssten importiert werden.

Sind Luft und Wasser freie Güter?

Auch hier würden die Antworten wieder unterschiedlich ausfallen, je nachdem, wen man fragt.

Der Betreiber eines Kaminofens nutzt die Luft zweifach: Sie dient zur Verbrennung des Holzes (oder anderer brennbarer Gegenstände) und dient gleichermaßen dazu, die Verbrennungsabgase wegzutransportieren. Für ihn mag die Luft ein freies Gut sein. Derjenige, der jedoch die Verbrennungsabgase einatmet, wird diese Nutzung nicht unbedingt billigen. Schließlich setzt er sich hochgiftigen Abgasen aus, inbesondere dann, wenn schlechtes Holz oder gar alte Möbel und andere Abfälle in den Hausfeuerungsanlagen "thermisch verwertet" werden.

Diese Interessenskonflikte sind heute schon vergleichbar mit denen, die durch die Großindustrien - etwa Kohlekraftwerke - einstmals entstanden. Nur, dass für die Industrie strenge Auflagen bestehen, die meist auch erfüllt werden. Aus häuslichen Feuerstätten dringt jedoch ein Cocktail von Verbrennungsrückständen, die nicht analysiert und nicht limitiert werden. Eine Energiewende zum Guten sieht jedenfalls anders aus.

Bei Wasser genau das gleiche: Wieviel Wasser dürfen wir aus den natürlichen Stoffkreisläufen entnehmen und belasten, ohne das System aus dem Gleichgewicht zu bringen? Und auch im Trinkwasser steckt Energie: Es muss gefördert, gereinigt, transportiert, kontrolliert und gesichert werden. Dafür werden Strom, Erdöl und Stoffe wie Ozon oder Chlor eingesetzt.

Wo stehen wir?

Wollen wir jegliche Ressourcen, die Erde und Sonne liefern, bis auf das äußerste Maß nutzen? Oder können wir uns zurückhalten? In einem Maß, welches uns (nicht rein monetären!) Wohlstand beschert, aber unsere Erde "am Leben lässt".

Wir machen zwar erste Gehversuch im "planet engineering", aber diese sind eher unfreiwillig. Derzeit findet das weltweit größte Klimaexperiment statt, welches uns Antworten auf folgende Frage geben wird: "Wie wirkt sich die steigende Konzentration von Kohlendioxid auf das Klimasystem der Erde aus?" Eine interessante Fragestellung. Mit einem kleinen Haken: Diesmal sitzen wir in der Testkammer eines unkontrollierten und wohl auch unkontrollierbaren Experimentes!

Die erste Hausaufgabe ist ein Aufsatz über das Thema: Wie können wir so leben, dass wir unsere physischen Lebensgrundlage auch auf lange Sicht erhalten?

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