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Energie: Energiewende - die Hausaufgaben (Teil II: Unser Verhältnis zur Technik)

Copyright by Michael Bockhorst Samstag, 02. Juli 2011
Die Energiewende ist nicht ausschließliche eine Frage, welche Erdressourcen wir in welchem Maß verwenden. Wir müssen auch unser Verhältnis zur Technik klären: Wo setzen wir welche Technik zu welchem Zweck ein? Ist Technik eher ein Werkzeug oder ein Selbstzweck?

Was ist Technik?

Technik ist zunächst neutral. Wir bedienen uns eines technischen Gerätes, um beispielsweise auf bequeme Weise ein Loch in eine Wand zu bohren oder eine Banane für einen Milchshake zu pürieren. Wir bedienen uns der Technik des Schleife-bindens, wenn wir unsere Schuhe zubinden - auch Klettverschlüsse können nur dann bedient werden, wenn wir sie verstehen und die -zugegeben einfache- Technik des schließens und öffnens "beherrschen".

Technik kann aber in zwei Richtungen genutzt werden, etwa die Kerntechnik: Bombenbau für Kriegsführung oder Stromerzeugung praktisch ohne Klimagas-Emissionen. Wobei anzumerken ist, dass auch die friedliche Nutzung der Kernenergie nicht ohne Hintergedanken und schon gar nicht ohne Gefahren war bzw. ist.

Technik kann zielgerichtet, als Werkzeug genutzt werden. Auf der anderen Seite gibt es auch ein Wettrüsten in Sachen Technik: Bei Handys und bei Autos sieht man die Entwicklung besonders deutlich. Auch dafür gibt es handfeste Gründe.

Warum Technik als Statussymbol gefördert wird ...

Wie viele Handys können Sie gleichzeitig nutzen? Eins, bestenfalls zwei. In wie vielen Autos können Sie gleichzeitig fahren? In einem.

Dies ist der Schlüssel zu der Erkenntnis, das Technik in verschiedenen Bereichen tatsächlich zu dem Zweck des Gelderwerbs zum Statussymbol erhoben wird: Teure Handys und Autos bescheren dem Hersteller mehr Profit pro verkauftem Gerät und damit mehr Profit pro Kunden.

Wenn am Markt eine Sättigung des tatsächlichen Bedarfs (was immer dies auch sein möge) zu beobachten muss, ist mit extensivem Produktverkauf nichts mehr auszurichten. Das Produkt muss wertintensiver sein, zumindest teurer.

Und wie zwingt man Kunden, ein aufwendiges Produkt zu kaufen? Indem man die  einfachen, durchaus funktionierenden Modelle nicht mehr anbietet. Ein Auto ohne Zentralverriegelung, Klimaanlage und elektrische Fensterheber ist ... dürfte ein Gebrauchtwagen sein, der schwer auf dem Markt zu finden ist, dank Abwrackprämie. Und am besten nicht im Autohaus nachfragen, sonst könnte man in die Ecke "Der kommt wohl aus der Vergangenheit?" oder es passiert Schlimmeres.

Besondere Blüten trieb der Autobau mit der Einführung der sogenannten SUVs - Sports and Utility Vehicles. Allesamt gleichen sie aufgeblasenen und aufgebockten Kompaktfahrzeugen, aber bei 2-3-fach höherem Fahrzeuggewicht. So werden denn gerne einmal 3000 Kilogramm Stahl, Plastik und Glas dazu verwendet,  um 300 Gramm Brötchen vom 500 Meter entfernt liegenden Bäcker zu transportieren.

Auch "grüne" Technik kann zum Statussymbol werden: Etwa die Holzpelletheizung oder die 50-Quadratmeter-Solaranlage. Beides gefördert, Rendite versprechend drückt auf der einen Seite den Status der Besitzer aus, etwa ihre vielleicht ökologische Ausrichtung oder der Bedarf nach Wohlgefühl. Aber auch in Sachen "grüner" Energie wird die Werbetrommel für eines gerührt: Teure, komplexe Technik, die grünes Wohlgefühl als Status verspricht, jedoch kaum, wenn überhaupt, ökologischer ist als zum Beispiel eine Erdgasheizung in einem gut wärmegedämmten Haus.

Wie kann Technik zum angemessenen Werkzeug werden?

Technik wird dann zu einem angemessenen Werkzeug, wenn ein Problem vorhanden ist und erst dann eine Lösung gesucht wird, bei der Technik (im Sinne eines technischen Apparates) unter Umständen das Problem überhaupt bzw. einfacher löst.

Das Beispiel "Loch in die Wand bohren" wollen wir dazu betrachten: Wollen wir ein 1 Zentimeter großes Loch in eine Pappe schneiden, reicht ein einfaches scharfes Messer und die richtige Vorgehensweise beim Lochschneiden: Einfaches Werkzeug in Kombination mit einer Vorgehensweise, mit der das Loch erzeugt werden kann.
Wird hingegen ein 6 mm großes Loch benötigt, um eine Deckenleuchte an einer Betondecke zu befestigen, verwenden wir mehr Technik: Etwa einen Blick in den -selten vorhandenen- Leitungsplan, ein Leitungssuchgerät, eine Bohrmaschine, einen Akku-Schraubendreher.

Die Tatsache, dass moderne Häuser von Strom-, Wasser-, Heizungs-, Abwasser- und Netzwerk-Leitungen durchsetzt sind, macht das Auffinden der Leitungen notwendig. Beton ist ein sehr widerstandsfähiges, hartes Material - wer will schon mit einer wie auch immer geformten Stahlstange per Hand dort ein 6 mm messendes Loch "herausfitscheln"? Und selbst beim gelegentlichen Schrauben sind wir handfaul: Es muss schon der Lithium-Ionen-Akku-bestückte Handschlagbohr-Superschrauber sein. Damit eine 5er Schraube einmal im Jahr in eine Wand hineingedreht werden kann.

Dennoch gibt es keinen Zweifel daran, dass moderne Häuser zumindest das Leitungssuchgerät und eine Bohrmaschine erfordern, damit man dort eine Lampe an der Decke befestigen kann. Mit unseren modernen Wohnmaschinen haben wir diesen Bedarf ein Stück weit geschaffen.

Aber wie geht es weiter mit unseren Häusern? Hier soll demnächst mehr Technik Einzug erhalten. Hausmanagementsysteme, in denen die Rolläden mit der Heizungsanlage plauschen. Oder der Eigentümer oder ein Hacker mit dem Hauscomputer kommuniziert. Wenn Häuser mit der richtigen Technik gebaut und betrieben werden, kann man 90 Prozent dieser Einrichtungen getrost vergessen und trotzdem ein vergleichbares Innenklima schaffen.

Hier hilft der Blick auf traditionelle Bauweisen mit guter Isolation, geschickten Heizungs- und Lüftungseinrichtungen, großem Dachüberstand und großzügigen wärmespeichernden Mauern und Böden. Was vor 1000 oder 5000 Jahren in der Bautechnik "State of the Art" war, ist selten veraltet und könnte ein großzügiger Grundstein für eine moderne angemessene Technik des Hausbaus und Haustechnik des modernen Hauses sein.

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