BLOG auf www.energieinfo.de→Artikel

System Erde: Lärm - die unterschätzte Emission

Copyright by Michael Bockhorst Montag, 10. Oktober 2011
Wenn über Emissionen berichtet wird, geht es meist um Kohlendioxid, Feinstäube und giftige Gase. Auch die Lichtverschmutzung wird hier und da thematisiert. Aber wie steht es mit dem Lärm, der uns tagtäglich umgibt?

Was ist eigentlich Lärm?

Lärm ist ein Geräusch, das stört. Dabei spielen zwei Faktoren eine Rolle: Die Schallleistung (= Schall-Leistung), die auf uns einwirkt und die Art des Geräusches. Das Rauschen des Meeres oder eine lautes Orchester besitzen große Schallenergie. Ihre Geräusche werden (zumindest meist) als angenehm empfunden. Die pfeifenden Nebengeräusche eines alten Fernsehers oder einer modernen Energiesparlampe werden hingegen als unangenehm empfunden, obwohl die Schallleistung um den Faktor 1000 oder 10000 geringer ist.

Ein Schallpegel von 80 dB (dB = Dezibel) wird als laut empfunden und ist - bei permanenter Beschallung - dauerhaft gehörschädigend. Die Schmerzgrenze liegt bei 130 dB. Hier wird nur die Schallleistung berücksichtigt, jedoch nicht der auch subjektiven Schwankungen unterworfene störende Effekt durch die Art des Geräuschs.

Welchen Stellenwert hat Straßenlärm?


Hier ist das Problem entweder nicht erkannt worden, es wird nicht thematisiert oder es es wird als prinzipiell unvermeidbar angesehen. Dabei ist weniger der Lärm durch fahrende Personenkraftwagen gemeint. Vielmehr der Lärm durch alle Straßengebundenen Verkehrsmittel.

Ein Blick auf die Webseite “Hilfe bei Lärmproblemen” des Umweltbundesamtes führt das Wort Straßenlärm nicht einmal auf. Dafür jedoch viele einzelne Lärmquellen, die eher kleinräumig auftreten oder von spezieller Natur sind.

Autobahnen: Transportbänder der globalisierten Wirtschaftsweise


Heute dürften Autobahnen die Lärmquelle Nummer 1 sein - gemessen in beschallter Fläche und Lärmqualität. Autobahnen, die vor 10 Jahren kaum hörbar waren, geben ein sirrendes Geräusch von sich: Die Getriebe der Horden von LKW, die bei ähnlichen Geschwindigkeiten und ähnlicher Klangcharakteristik ein permanentes Störgeräusch von sich geben.

Die Schallleistung von Autobahnen nimmt zudem nur proportional zum Abstand ab, sie sind linienförmige Schallquellen. Ein einzelner Zug oder ein einzelnes Auto besitzt ein anderes Verhalten: Die Schallleistung nimmt hier mit dem Quadrat des Abstandes ab! Bei doppelter Entfernung ist ein einzelnes Auto etwa halb so laut wie eine normal befahrene Autobahn, deren Autos die gleiche Schalleistung haben wie das einzelne Auto.

Während die Verringerung der Lärmemissionen bei Pkw ein wichtiges Thema ist und EU-weit vorangetrieben werden soll (auch wenn Deutschland sich noch ziert), so scheint dies bei den LKW, die die Autobahnen benutzen, kein Thema zu sein. Obwohl es auch anders geht. Ähnlich wie bei Zügen gibt es auch bei LKW vergleichsweise leise und vor allem - in den Grenzen des Möglichen - wohlklingende Individuen. Wenn man nahe einer Autobahn wohnt - auch vier Kilometer sind je nach Windrichtung nahe (!) - hört man nachts nur zweierlei: Das Sirren der LKW und, ganz selten, einen 2-Rad-Fahrer, der so richtig aufdreht.

Lärm an der Quelle stoppen!


Natürlich kann man die Fenster nachts schließen, um den Lärm auszusperren. Aber gibt es nicht auch ein Recht auf frische Luft in Ruhe? Schließlich sollte das doch der Normalzustand sein!

Dennoch muss man eine zunehmende Verlärmung unseres Lebensraums feststellen. Dazu tragen auch lange und flexible Öffnungszeiten der Geschäfte bei. So kann man auch um halb neun noch einmal schnell einkaufen fahren - vor 20 Jahren war es um diese Zeit schon ruhig, weil man seine Einkäufe um halb sieben getätigt haben musste. So sehr wir (auch ich!) die langen Öffnungszeiten - und die über die Autobahnen rollenden Produkte, die wir kaufen - schätzen. Beide Effekte haben der Verlärmung durch Pkw- und besonders LKW-Lärm Vorschub geleistet.

Zurückdrehen? Back to the roots? Ja, zu welchen Wurzeln. Die haben wir längst verloren. Aber es wird Zeit, dass Lärm an der Quelle gestoppt wird: Unnötige Transporte vermeiden, privat mehr zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sein und die notwendigen Transporte durch Technik LEISE gestalten.

Quellen im WWW

gesetzte Tags: ,

 

Navigation