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Energie: 30 Milliarden-Projekt für die Verkabelung der Nordsee?

Copyright by Michael Bockhorst Dienstag, 05. Januar 2010
Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung planen die Nordsee-Anrainer-Staaten ein Verbundnetz, welches den Transport von Windstrom aus zukünftigen Offshore-Windparks leisten soll.
Gerade die Windenergie hat etwas Lästiges an sich: Windstrom wird je nach Windstärke mit stark variierender Leistung produziert. Das trifft für Solarstrom genauso zu, auch wenn er etwas besser kalkulierbar ist. Aber Windstrom hat auch einen entscheidenden Vorteil: Im Winter ist er gut verfügbar und wird auch nachts produziert, während Solarstrom zwangsläufig ausfällt.

Verbindet man diesen "variablen" Strom nun auch noch mit den Wasserkraftwerken Norwegens, hat man weitere Möglichkeiten: Die Wasserkraftwerke können dann Strom liefern, wenn die Leistung des Windes nicht ausreicht, sie stellen sogenannte Spiegelkapazitäten dar. Diese Wasserkraftwerke können zusätzlich auch als Stromspeicher eingesetzt werden; dazu werden die Turbinen der Kraftwerke bei einem Überangebot an Windstrom als Pumpen betrieben. Voraussetzung dafür sind Wasserkraftwerke, die auch ein unteres Wasserreservoir besitzen. Wasserkraftwerke dienen alleine zur Grundlastversorgung, können diese aber auch in Verbindung mit Windstrom sicherstellen.

Warum gerade Wasserkraft in Norwegen? Norwegen hat ein Terrain mit großen Höhenunterschieden, die den Bau wirtschaftlicher Wasserkraftwerke erst ermöglicht. Die relativ hohen Niederschlagsmengen erlauben Norwegen eine nahezu 100-prozentige Stromerzeugung mit Wasserkraft. Diese wirtschaftliche Stromerzeugung macht Norwegen auch für die Aluminiumproduktion attraktiv, die sehr stromintensiv ist - so ist die Norsk Hydro ASA gleichzeitig Stromerzeuger und Aluminiumproduzent.

30 Milliarden - eine Riesensumme?

Dieser Betrag ist sehr hoch, aber: Wenn 150 Millionen Europäer direkt davon profitieren, dass Strom unabhängig von Rohstoffimporten auf relativ umweltschonende Weise produziert werden kann, sind 200 Euro pro Kopf für eine Investition über 30 Jahre überschaubar. Das macht dann gerade einmal 7 Euro pro Kopf und Jahr. Oder 2 Ct. pro Tag.

Zudem entspricht das derzeitige deutsche Stromnetz einer Investition von ca. 250 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu sind 30 Milliarden Euro, die sich ca. 10 Länder teilen, eine Summe von geringerer Bedeutung.

Ausblick

Die wirtschaftlichste Technik wird aller Voraussicht nach die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) als Technologie eingesetzt. Sie zeichnet sich durch geringe Verluste und kompaktere, leichter zu verlegende Kabel aus - gerade eine weniger aufwendige Verlegung ist für Seekabel ein bedeutender Kostenvorteil. HGÜ wird für Fernstrecken (derzeit bis max. ca. 2000 Kilometer) bereits seit mehreren Jahrzehnten eingesetzt, ist aber noch keine Standardtechnologie. Die "Verkabelung der Nordsee" kann daher auch eine Chance sein, die HGÜ weiter zu optimieren, um nachfolgend das Netz zum Beispiel in Richtung Osten auszubauen. Ein interkontinentales Verbundnetz hat das Potential, den Anteil erneuerbarer Energien weiter zu erhöhen: Etwa Solarstrom aus China zu nachtschlafender Zeit in Europa, Windstrom aus Europa für China. Oder, falls es realisiert wird, das Projekt DESERTEC, welches die Produktion von Solarstrom in der Sahara, aber auch den Transport dieses Stroms per HGÜ nach Nordeuropa.

Web-Quellen:

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