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Energie: Die 4. Revolution - Energy Autonomy (Filmkritik)

Copyright by Michael Bockhorst Donnerstag, 11. März 2010

Ein wichtiger Film, der die Zuschauer mit gemischten Gefühlen entlässt: Die Vorstellung einer sicheren und nahezu gefahrlosen Energie-Zukunft ab 2030 wird eindrucksvoll umrissen - eine ausführliche Antwort, wie dies erreicht werden soll, bleibt der Film jedoch schuldig.

Ankuendigung 4 Revolution Energy Autonomy

Kann man heute schon regenerative Energie sinnvoll erzeugen?

Die Antwort darauf ist: Ja, das funktioniert. Wenngleich die zahlreichen Beispiele des Filmes zur regenerativen Energieerzeugung kaum Lösungen für das Energie-System der industrialisierten Staaten aufzeigen. Die Beispiele machen Mut, dass unter speziellen Rahmenbedingungen erneuerbare Energien wie Biogas oder Solarstrom ein Segen sein können: Biogas ist in dünn besiedelten Regionen, in denen viel Landwirtschaft betrieben wird, sinnvoll, weil Reststoffe verwendet werden können. Photovoltaik kann in einem sonnenreichen Staat das Leben der Menschen drastisch verbessern: Licht mit Sonnenstrom hilft, die Bildungsmöglichkeiten und medizinische Versorgung zu verbessern. In gering industrialisierten Staaten wie Bangladesh oder Mali ist diese billige und autonom nutzbare Energie eine Quantensprung.

Das "Missing Element" der erneuerbaren Energien

Tatsächlich könnte Photovoltaik auf den Dachflächen Deutschlands schon heute unseren Strombedarf decken. Allerdings nur rechnerisch: Die aktuelle Leistung des Photovoltaikstroms hängt von der Sonneneinstrahlung ab und die Sonne scheint nur Tags. Strom benötigen wir aber rund um die Uhr. Für Kühlschränke, Licht, Heizungsanlagen, Industrieanlagen, elektrische Bahnen.

Immerhin werden Vanadium-Redox-Batterien als Lösungsansatz vorgestellt. Diese Speichersysteme besitzen zwar eine geringe Energiedichte, zeichnen sich aber durch eine sehr hohe Lebensdauer aus. Sie gehören zu den erfolgversprechendsten Stromspeichern für dem großtechnischen Einsatz.

Unter dem Strich kommt die Problematik der Stromspeicherung aber zu kurz. Vielmehr wird der Eindruck vermittelt, dass Wind, Biogas und Photovoltaik es gemeinsam richten könnten. Es wird jedoch nicht schlüssig erklärt, wie dies ohne den Einsatz von gigantischen Stromspeichern funktionieren könnte.

Vielleicht läuft unsere Waschmaschine dann, wenn der Wind weht. Glücklich diejenigen, die in ihrem freistehenden Einfamilienhaus leben. Für diejenigen, die, in großen Mietshäusern wohnend, nachts um 5 von der Kakophonie der auf Hochtouren schleudernden Waschmaschine, werden diese Idee nicht so gut finden. Nur, weil seit 3 Uhr der Wind kräftig in Norddeutschland weht.

Tolle Beispiele ...

Besonders berühren die Passagen, in denen Mikrokredite einfachen Familien zunächst unerreichbar geglaubten Wohlstand ermöglichen. Das Projekt von Muhammad Yunus erinnert an das Starten eines Computers: Erst startet das BIOS, der Mikrokredit. Er öffnet den Blick für die Möglichkeiten. Das Betriebssystem ist das Solarmodul auf dem Privathaushalt oder der Schule. Damit ist Strom erstmals ohne die Abhängigkeit von hohen Ölpreisen und lauten Maschinen verfügbar. Und das Anwendungsprogramm sind die Schulungen der lokalen Bevölkerung in der Handhabung dieser Technik.

Diese Beispiele stellen das aussagekräftigste Plädoyer dieses Filmes dar: Energieautonomie auf einem kleinen Verbrauchs-Niveau, verbunden mit einem unermesslichen Zuwachs an Wohlstand. Wohlstand sei hier nicht als der von materiellen Werten geprägte Wohlstand hochindustrialisierter Staaten wie Deutschland verstanden. Es geht um Wohlstand im Sinne des Wohlfühlens, des Wohlbefindens. Um diese immaterielle Komponente des Wohlstands ist es Deutschland vielleicht gar nicht so gut bestellt.

Wie können wir Energieautonomie erlangen?

Diese Frage sollte man umformulieren: Wie können wir unser Energiesystem autonomer gestalten? So lange wir von einer Technik abhängig sind, die wir vielleicht gerade noch verstehen können, sind wir dennoch abhängig. Von den Firmen, die uns diese Technik liefern.

Autonomie ist in unserer Gesellschaft Mangelware geworden. Zumindest immer dann, wenn wir technische Systeme nutzen. Die Gummidichtung eines Kühlschranks können wir vielleicht noch selbst reparieren. Die mikroprozessor-gesteuerte Regelung einer Wärmepumpe lässt sich von einem Fachtechniker vielleicht noch per Lötkolben wiederbeleben. Ein durch einen Hagelschaden geborstenes Solarmodul ist jedoch reif für die Entsorgung oder das stoffliche Recycling und muss nachgekauft werden.

Immerhin kann eine Photovoltaik-Inselanlage Energieautonomie für viele Jahre gewährleisten. Ein erster Schritt der Befreiung von Abhängigkeiten. Es wird aber Bestrebungen geben, Produkte günstig zu verkaufen, jedoch Geld durch die Erhaltung ihrer Betriebsfähigkeit zu erwirtschaften. Wenn diese Bestrebungen erfolgreich sind, findet der Strukturwandel durch die Nutzung erneuerbarer Energien nicht statt. Eine Auseinandersetzung mit dieser Problematik fehlt in diesem Film - vielleicht ein Thema für einen 2. Teil, der sich stärker mit der realpolitischen und realwirtschaftlichen Durchsetzbarkeit eines zumindest erhöhten Anteils autonom gestalteter Energieversorgung auseinandersetzt?

Fazit

Ein unter dem Strich sehenswerter Film, vor allem für diejenigen, die

  • eine gute Zusammenfassung suchen, was mit erneuerbaren Energien heute machbar ist und
  • die aktuelle Diskussion Kernenergie vs. Kohlekraft vs. Erneuerbare verfolgen, dabei einen weiteren Standpunkt kennenlernen wollen.

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ein Kommentar

Ich und bessere die ich kenne, haben schon eine ganze Mensche Ideen, erfindungen und Produkte, um eine solche Energie-Autonomie-Revolution zu verwirklichen. Dabei ist der Wahrheitsgehalt der CO-2-Klima-These nicht entscheident. Aber der Verbrauch von Gas, Öl und Uran muss scharf bekämpft werden – wie der Kampf für die Veröffentlichung und Umsetzung längst ge- und erfundener Naturgesetze und Technologie.

Und v.a. gibt es für Millionen leistbare kleine Techniken zur Verbreauchsreduzierung von MOTOREN und HEIZUNGEN sofort einsetzbare – und darauf kommt es an und wird meist vergessen, zB. betr. Hausisolierung — und schnell amortisierbare Technik !

Nur 3 Beispiele :
desert-greening.com , nach Reich, Schauberger & Tesla
— James deMeo, orgonelab.org ; Jürgen Fischer orgine.de ; Trettin-orgon-institut ; Wilhelm-Reich-Institut Berlin ;
— nach Viktor Schauberger http://www.pks.or.at/menu_en.html
achim (E-Mail) - Montag, 19. April 2010


 

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