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Energie: Sonnenenergie ist kostenlos - ja und nein!

Copyright by Michael Bockhorst Samstag, 13. März 2010

Kennen Sie den Buchtitel "Die Sonne schickt uns keine Rechnung" (Franz Alt) oder den Aufruf "Nutzen Sie die kostenlose Sonnenenergie, statt teure fossile Brennstoffe"? Beide Aussagen sind vollkommen korrekt, aber nicht vollständig!

Die Primärenergie Sonne ist kostenlos

Wenn wir uns an einem sonnigen windstillen Wintertag in die Sonne begeben, spüren wir die Kraft der Sonne. Trotz 0 Grad ist uns selbst bei offener Jacke fast schon zu warm. Selbst schlecht wärmegedämmte Häuser brauchen dann tagsüber keine Heizung, wenn die Sonne hineinscheint. Alles kostenlos.

Das stimmt natürlich auch für Solarzellen und Solarwärme-Kollektoren. Die Sonne kommt kostenlos. Genauso für die Biomasseproduktion. Selbst der Wind, der letztendlich durch die Sonne angetrieben wird, ist kostenlos. Aber das ist eben nur ein Teil der Wahrheit.

Im System denken: Was kostet die für uns nutzbare Energie

Hier liegt der Schwerpunkt auf der Nutzbarkeit. Wenn ein Architekt und eine Bauherrin sich zusammensetzen, um ein Haus möglichst energieeffizient zu planen, gibt es tatsächlich eine (fast) kostenlose Möglichkeit, die Sonnenenergie auch zu nutzen: Ausrichtung des Hauses und Anordnung der Fenster, so dass Wärmegewinne im Winter optimiert werden. Sie ist nur fast kostenlos, weil schließlich beide Zeit investieren und der Architekt sein Honorar verdient - aber wir sprechen hier von vielleicht 2 Stunden Beratungsbedarf.

Anders liegt der Fall bei der Photovoltaik und bei der Solarthermie. Hier wird die Sonnenenergie in eine Endenergie (Strom) bzw. Nutzenergie (Wärme) umgewandelt. Dazu benötigt man einen Energiewandler und darum herum einiges an Infrastruktur. Und diese Gerätschaften sind nicht kostenlos. Die Infrastruktur befindet sich dabei nicht nur im Haus, auch die Stromversorgung für Zeiten ohne Sonne will gesichert sein: Dazu bedarf es heute noch anderer Kraftwerke und auch in vielen Jahrzehnten noch nationaler, kontinentaler und vielleicht transkontinentaler Stromnetze.

Nur, wer im Gesamtsystem denkt, kann die tatsächlichen Kosten erkunden.

Zugang zur Sonnenenergie: Wirklich basisdemokratisch?

Nicht jeder wohnt in seinem eigenen Haus, auf dem er nach Belieben eine Solaranlage anbringen kann. Das dazu notwendige "Kleingeld" von 5000 - 20000 Euro muss ebenfalls verfügbar sein. Es ist einfach, jeden aufzurufen, sein Dach mit Solarmodulen zu beflastern. Aber wenn die Grundlage, das Haus und das notwendige "Kleingeld" fehlen, werden diese Menschen an den Rand gestellt.

Das einzige, was sich heute wirklich schnell rechnet, dabei die Eigenproduktion und Eigennutzung von Energie befördert, ist die Wärmeerzeugung mit der Sonne: Für die Raumbeheizung, die Warmwassererzeugung und das Wäschetrocknen.

Leider konzentrieren wir uns bei dem Thema Solarenergie in vielen Diskussionen allzu steif auf den Bereich der klassischen Stromerzeugung. Damit auch diejenigen, die kein Haus haben, mitmachen können: "Wer kein Haus hat, kann jederzeit in Solaranlagen als Anteils-Eigner investieren." - O.k., wer es machen möchte, gerne. Aber kann dies wirklich das Ziel unserer Gesellschaft sein, dass jeder Mensch zum Investor wird? In Solaranlagen in Ostdeutschland, oder Palmöl in Indonesion, oder Bioethanol in Brasilien? Mit all den Undurchschaubarkeiten.

Wo bleiben da Freiheit, Demokratie, der Sinn für das Direkte oder Menschliche und offene Diskussionen?

Der König ist tot, lang lebe der König!

Sonnenenergie ist keine technische Allein-Lösung. Sie wird es auch in den nächsten 10 oder 20 Jahren nicht sein, vor allem nicht die Photovoltaik. Uran, Kohle, Erdöl und Erdgas haben allerdings einige Schläge abbekommen. Sie sind angezählt. Sie werden noch 2 oder 4 Runden durchstehen, bis zum K.O. Ohne Chance auf ein "Rückspiel".

Die Sonne ist daher unsere einzige derzeit gangbare Strategie! Langfristig verfügbar und als solche kostenlos. Wer verschweigt, dass die Nutzung der Sonnenenergie etwas kostet, vermindert die Chance auf die Diskussion, auf die es jetzt ankommt.Was muss diskutiert werden?

  1. Wie kann das schwankende Angebot an Sonnen und Windstrom ausgeglichen werden? Dies ist gleichbedeutend mit der Frage nach Stromspeichern oder leicht regelbaren Kraftwerken, die z.B. mit umweltneutral erzeugter Biomasse betrieben werden.
  2. Wie kann ich den Fokus auf die Gesamtenergieversorgung erweitern? Wo können Kraftstoffe ersetzt werden? Wo kann die Industrie solar versorgt werden?
  3. Wie kann ich die notwendige Technologie, mit der die Sonne angezapft wird, so gestalten, dass sie möglichst vielen (besser allen) Menschen gut zugänglich ist? Nur das schafft Freiheit: Persönliche Freiheit zu Gestaltung des Lebens und Freiheit von Neid auf andere.

Offene und ehrliche Aussagen zu diesem Thema sowie faire Diskussionen sind leider Mangelware in den meisten Medien und prägen damit konträre, nicht auflösbare Positionen. Und was macht man in einem nicht auflösbaren Konflikt? Nichts!

Mit 12-jährigen Schülerinnen und Schülern sind Diskussionen auf sehr hohem Niveau möglich. Da wird ganz selbstverständlich im System gedacht. Es gibt Konflikte, aber immer auch eine Lösung. Da fragt man sich, warum man dergleichen bei Erwachsenen so oft vermisst - haben wir uns da vielleicht etwas abtrainiert?

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