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Restrisiko

COPYRIGHT TEXT & BILDER: Michael Bockhorst

Als Restrisiko versteht man die Wahrscheinlichkeit eines Systemversagens, welche bei der geplanten oder bestehenden Anlage nicht mehr verhindert werden kann. Der Begriff bezieht sich in der Kerntechnik auf ein Anlagenversagen mit erheblichen schädlichen Auswirkungen, welches über die sicherheitstechnische Auslegung der Anlage hinausgeht.

Zusammensetzung von Risiken

Risiken beim Betrieb eines Systems setzen sich aus zwei Bestandteilen zusammen:

  • Der Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses - oder in anderer Darstellung: Der Zeitraum zwischen dem Eintreten eines Ereignisses mit Schäden.
  • Dem Schadensausmaß, also der Schwere des Schadens.

Beide Bestandteile bestimmen, wie hoch die Gefährdung durch ein entsprechendes System ist.

Restrisiken verschiedener Arten von Kernreaktoren / Kernkraftwerken

Als Eintrittshäufigkeit eines Kernschmelz-Unfalls werden folgende Zeitabstände für die jeweiligen Kernreaktor-Typen genannt (Quelle: Klaus Heinloth: Die Energiefrage, 2006, Verlag Vieweg):

  1. Druck- und Siedewasserreaktoren aktueller Bauart)
    Schwerer Unfall: alle 100 000 bis 1 Million Jahre (Heute unter Berücksichtigung aller Kernkraftwerke alle 500-5000 Jahre)
  2. Aktuelle Reaktoren wie der EPR-1600 mit erhöhter aktiver Sicherheit
    Schwerer Unfall: alle 1 Million bis 10 Millionen Jahre
  3. Reaktorkonzepte mit erhöhter passiver Sicherheit
    Schwerer Unfall: alle 10 Million bis 100 Millionen Jahre
  4. Reaktorkonzepte mit absoluter Sicherheit gegen Kernschmelz-Unfälle
    Schwerer Unfall: größer 100 Millionen Jahre
    Beispiel: HTR-100 (Konzept!)
  5. Reaktorkonzepte mit absoluter inhärenter Sicherheit der Gesamtanlage
    Schwerer Unfall: Nie
    Beispiel: HTR-100 (Konzept!)

Die Positionen 1. bis 4. beschreiben auch unter wirtschaftlichen Bedingungen erzielbare Sicherheitsstandards. Bei den Zeiträumen zwischen zwei schweren Unfällen ist jedoch nicht berücksichtigt, wie gut die Anlagen an die jeweiligen Umgebungsbedingungen angepasst sind.

Die geringen Eintrittswahrscheinlichkeiten, auch für die aktuell betriebenen Druck- und Siedewasserreaktoren, zeigen, dass Kernkraftwerksunfälle selten auftreten. Die schweren Reaktorunfälle von Tschernobyl und Fukushima Daiichi zeigen, dass offensichtlich schwere Kernkraftwerksunfälle deutlich häufiger auftreten könnten, als die Abschätzungen aus Sicherheitsanalysen zeigen. Zudem ist die Schwere der Unfälle - bei Fukushima Daiichi noch nicht abzusehen - so, dass auch bei dem seltenen Eintreten dieser Unfälle das Betriebsrisiko als vergleichsweise hoch einzustufen ist.

Bewertung des Restrisikos

Das Restrisiko ist weitgehend bekannt. Die Bewertung des Restrisikos basiert auf technischen Fakten und Absschätzungen. Die Bewertung jeweiliger Restrisiken ist eine moralische, ethische und politische Fragestellung, die beantwortet werden muss. Sinnvoll ist die Abschätzung der (Rest-)Risiken verschiedener Alternativen oder einer Kombination dieser Alternativen und eines Vergleichs verschiedener Szenarien.


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