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Stromverbrauch mit dem Stromzähler messen

Kategorie: HAUSHALT:STROM

Text: Michael Bockhorst
Hinweise zur Nutzung und zum Copyright siehe unten.
Viele Stromverbraucher, fest verbaut. Kein Energiemessgerät passt dazwischen. Unklarheiten bei der Stromrechnung in der Familie oder im Mehr-Parteien-Haus? Was nun?

Stromzähler als Energiemessgerät?

Ein Stromzähler ist ein Energiemeßgerät. Die derzeitigen Geräte haben jedoch zwei Nachteile: Zum einen können Sie keinen Nullpunkt festlegen, um die Energiemenge direkt zu messen. Zum anderen hängen an einem Stromzähler viele Geräte dran, deren Energiebedarf nicht einzeln erfasst wird.

Wie misst man den Gesamtverbrauch mit einem Stromzähler?

Es gibt eine einfache Möglichkeit, etwa den täglichen Energiebedarf zu messen. Klar, sie schreiben den Zählerstand auf, etwa morgens um acht Uhr. Dies machen Sie täglich über den Zeitraum von beispielsweise einen Monat. Die Differenz der Zählerstände zum Vortag gibt ihnen den täglichen Verbrauchswert an. Bis hierhin haben wir aber nur den Gesamtverbrauch

  • eines Haushaltes (Warmwasser, Multimedia, Beleuchtung, Küchengeräte, Waschmaschine) oder
  • einer Gruppe von Verbrauchern (Heizung, Treppenhaus-Beleuchtung, Hauswasserwerk)
festgestellt.

Wie kann man einzelne Verbräuche mit einem Stromzähler messen?

Sie können auch den Stromverbrauch einzelner Geräte oder Tätigkeiten recht genau messen:

  1. Schalten Sie alle Geräte in Ihrem Haushalt ab.
  2. Danach schreiben Sie den Zählerstand auf.
  3. Dann wird das zu messende Gerät, etwa ein Backofen, z.B. für 30 Minuten genutzt.
  4. Nun schreiben Sie den Zählerstand erneut auf und bilden die Differenz.

Danach wissen Sie, wieviel Energie der Backofen für diesen Vorgang benötigt hat. In der Praxis werden Sie kaum alle Geräte abschalten wollen oder können. Bei der Messung des Energiebedarfs eines Backofens oder eines elektrischen Durchlauferhitzers spielen aber selbst 100 Watt anderer Verbräuche (Kühlschrank, Stereoanlage, Modem, etc.) kaum eine Rolle. Ein Backofen braucht 3000 bis 5000 Watt, ein normaler elektrischer Durchlauferhitzer 10000 bis 25000 Watt und damit ein Vielfaches aller "normalen" Haushaltsgeräte.

Familienstreit wegen der Stromrechnung?

Abhilfe: In einer gemeinsamen Aktion den Stromverbrauch aufzuschlüsseln:

Beispiel 1 - Klärungsbedarf in der Familie:

Vorbedingungen:

  • Kinder lassen öfter im Zimmer das Licht brennen
  • Eltern sind sportlich und duschen mit einem elektrisch beheiztzn Durchlauferhitzer jeden Tag je 15 Minuten und lassen das Wasser auch beim Einseifen laufen.
  • Kinder werden ermahnt, nicht immer das Licht brennen zu lassen, weil das so viel kostet. Die Lampen sind Energiesparlampen.
Lösungsweg:
  1. Eltern schalten alle Stromverbraucher ab, bis auf die Lichter im Kinderzimmer. Die Differenz der Zählerstände beträgt 60 Wattstunden oder 0.06 Kilowattstunden.
  2. Kinder schalten alle Geräte ab, während die Eltern duschen. Die Differenz der Zählerstände beträgt 11000 Wattstunden oder 11 Kilowattstunden
  3. Die Eltern erschrecken sich und geloben, in Zukunft die Dusche 3 Minuten weniger lange laufen zu lassen. Sie sparen pro Tag damit gut 2 Kilowattstunden ein.
  4. Die Kinder sagen im Gegenzug: Wir achten darauf, auch das Licht nicht unnötig brennen zu lassen. Also 3 Stunden weniger pro Tag. Die Kinder sparen immerhin 0.2 Kilowattstunden ein.

Zoff wegen des Allgemein-Stroms im Mehrfamilienhaus?

Auch hier ist es sinnvoll, die Situation gemeinsam zu erkunden:

Beispiel 2 - Klärungsbedarf im Mehrparteien-Haus:

Vorbedingungen:

  • 4-Parteien-Mietshaus
  • Stromverbrauch für die Heizungsanlage und für das Treppenhauslicht wird mit einem einzigen Stromzähler erfasst
  • Unklar, ob noch weitere Verbraucher irrtümlich über den Allgemein-Strom betrieben werden.

Lösungsweg:

  1. Mindestens ein Teil der Bewohner finden sich zusammen und stellen zusammen, welche Verbraucher und Steckdosen zum Allgemeinstrom gehören: Z.B. Heizungsanlage, Treppenhausbeleuchtung, Kellerbeleuchtung, Steckdosen für Waschmaschinen, Trockner, Gartengeräte, Elektroauto (... vielleicht bald!).
  2. Den Energiebedarf messen, während weder die Heizung noch das Treppenhauslicht eingeschaltet ist. Dafür z.B. den Zählerstand aufschreiben, 1 Stunde warten, und die Differenz zwischen den beiden Zählerständen ausrechnen. Ist diese nahe null, gibt es keine weiteren Dauerverbraucher.
  3. Ist unklar, über welchen Stromzähler der Waschmaschinenstrom (oder der Strom anderer Verbraucher) abgerechnet wird, kann man diese Geräte bei ausgeschalteter Heizung und Treppenhausbeleuchtung einschalten und schauen, ob sich das Rad im Zähler dreht (für neue digitale Stromzähler: die Leistungsanzeige betrachten). Dreht sich das Zähler-Rad nicht, werden diese Geräte über einen anderen Stromzähler abgerechnet.
  4. Bei ausgeschalteter Heizungsanlage und ohne jegliche andere Verbraucher wird das Treppenhauslicht mehrmals hintereinander eingeschaltet. Vor dieser Aktion wird der Zählerstand aufgeschrieben und danach. Die Differenz der beiden Zählerstände geteilt durch die Anzahl des Einschaltens der Treppenhausbeleuchtung gibt Ihnen den Stromverbrauch pro Schaltung des Treppenhauslichtes an. Nun müssen Sie abschätzen, wie oft im Jahr das Treppenhauslicht eingeschaltet wird.

Konkrete Vorgehensweise am Beispiel einer Ölheizung

Ölheizungen haben zum Beispiel 3 wesentliche Stromverbraucher: Das Gebläse des Ölbrenners (ca. 200 Watt), die Umwälzpumpe (15-80 Watt) und die Steuerungseinheit (ca. 15 Watt). Bei kaltem Wetter wird der Ölbrenner häufiger laufen. Dann kann man den Gesamtverbrauch der Heizungsanlage bestimmen:
Gebläse + Umwälzpumpe + Steuerungseinheit

Dazu messen Sie mit dem Stromzähler den Energiebedarf, während das Gebläse läuft:

(Zählerstand am Ende des Gebläse-Betriebs) - (Zählerstand vorher)

Den Grundverbrauch

Umwälzpumpe + Steuerungseinheit
messen Sie dann, wenn das Gebläse nicht läuft.

Wenn Sie nun noch wissen, wieviel Strom ihre Umwälzpumpe benötigt - dies ist meist auf dem Typenschild ausgewiesen - können Sie auch noch den Grundverbrauch aufteilen. Das ist nicht so genau, wie eine konkrete Messung, aber immerhin eine sinnvolle Abschätzung (bei drehzahlgeregelten Pumpen sinkt die Genauigkeit allerdings, weil ihre Pumpleistung und damit ihre Stromverbrauch variiert; evtl. den Mittelwert des Regelbereichs als Abschätzung verwenden).

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