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2001-01-30
ENERGIERESSOURCEN

California Energy Crisis - ein Blick auf unsere eigene Zukunft?

Michael Bockhorst, 30.01.2001

Spontan stellt man sich die Frage, wie die Stromknappheit in einem der modernsten Staaten dieser Welt zu erklären ist.

Der eine Grund ist die Liberalisierung des Strommarktes in Kalifornien, die offensichtlich dazu geführt hat, dass die Unternehmen nicht mehr in neue Kraftwerke und verbesserte Infrastruktur zur Stromverteilung investiert haben, sich vielmehr um ihr Bestehen neben anderen, konkurrierenden Unternehmen kümmern mussten.
Ein weiter Grund ist der offensichtlich gestiegene und weiterhin steigende Strombedarf des amerkanischen Bundesstaates - zu einem bedeutenden Anteil verursacht durch eine zunehmende Produktion und Benutzung von elektronischen Geräten, vornehmlich Computern, in zunehmendem Maße auch Minicomputern und Kommunikationsgeräten, etwa Palmtops oder Handys. Dabei sind es oftmals nicht die Endgeräte, die wir als Verbraucher in der Hand halten, sondern die Infrastruktur, bei Handys die Antennen, die auch in Deutschland in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Diese Infrastruktur muss hergestellt und vor allem permanent mit Strom versorgt werden.
Zum Dritten ist eine Obergrenze des Endkundenpreises für Strom von der kalifornischen Bundesregierung festgesetzt worden, die Unternehmen könnten die notwendigen Investitionen für eine Renovierung und die Neuausstattung ihrer Elektrizitätsversorgung nicht mehr umlegen.

In diesem Spannungsfeld zwischen Liberalisierung des Strommarktes, steigendem Stromverbrauch und staatlicher Regelung sind die selbstregulierenden Kräfte des Marktes außer Kraft gesetzt worden, ein Klima ist geschaffen worden, in dem keine Investitionen mehr getätigt werden können.
Nun werden zu Zeiten, an denen der Stromverbrauch besonders hoch ist, Teile Kaliforniens äbgeschaltet", um die Spitzenlast im Stromnetz zu reduzieren. Die Menschen sitzen im "Dunkeln", Firmen sind nicht mehr arbeitsfähig, teilweise sind die Schäden und Folgen durch das plötzliche Fehlen des Lebenselixiers Strom so groß, dass einige Unternehmen laut darüber nachdenken, ihren Standort in eine Gegend mit sicherer Stromversorgung zu legen.

Nun, Grund zum Lachen? Mitnichten. Auch in Deutschland ist der Strommarkt in den letzten Jahren liberalisiert worden, schon werden Regelungen und Gesetze für ein Importverbot von Kernenergie-Strom aus unseren östlichen Nachbarländern laut diskutiert. Vielleicht werden wir in einigen Jahren mit Sehnsucht an die Zeiten zurückdenken, in denen man sich auf Strom aus der Steckdose so verlassen konnte, wie auf die Tatsache, dass die Zeit nicht rückwärts läuft!
Und wer denkt schon darüber nach, dass in Deutschland ein Kraftwerkspark steht, der 250 Milliarden Mark gekostet hat, dazu kommen Kosten in mindestens gleicher Höhe für die aufwendige Infrastruktur zum Transport des Stroms aus hunderten von Kraftwerken zu zehntausenden von Unternehmen, Behörden Transportdienstleistern und vor allem zu den etwa 35 Millionen Haushalten!

Dies sollte zu Denken geben, dass Politik, Wirtschaft und Verbraucher dafür sorgen, dass unsere Stromversorgung auch langfristig zuverlässig bleibt, gesichert ist.
Politik muss die soziale Komponente in die Elektrizitätsversorgung einbauen, Wirtschaft und Verbraucher müssen für ein faires "Markttreiben" sorgen. Unsere Rolle, die der Verbraucher, kann durch kluge Kaufentscheidungen - etwa für Haushaltsgeräte mit geringem Strom- oder geringem Stand-By-Verbrauch - eine Wesentliche sein: Märkte richten sich in hohem Maße nach dem, was Verbraucher anfragen, kaufen. Und ein kluger Umgang mit Energie, der darauf bedacht ist, unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden, verursacht ein großes Einsparpotential!
Die Belohnung wäre wohl eine Elektrizitätsversorgung auf niedrigem Niveau: Ein kleinerer, billiger instandzuhaltender Kraftwerkspark, weniger Schadstoff-Emissionen und - was uns Verbraucher schließlich zusätzlich erfreut, dies alles bei geringeren Stromkosten.