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2001-06-24
ENERGIEPOLITIK

Zukunftssichere Energiepolitik für Deutschland?

Michael Bockhorst, 24.6.2001

Nach einer Meldung des Spiegels vom heutigen Tag wurden die Mittel für "Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien" auf lediglich 74 Millionen Euro gegenüber der beantragten Summe von etwa 107.4 Millionen Euro gekürzt.

Im Hinblick auf das stagnierende Wirtschaftswachstum Deutschlands und die essentielle Bedeutung erneuerbarer Energien - nicht nur für die Umwelt, sondern auch für eine zukünftige Wirtschaft - eine vollkommen unverständliche Entscheidung.

Auch wenn es andere Unterstützungs- und Fördermaßnahmen gibt, ist doch eine unabhängige Forschung und Entwicklung, die nicht unmittelbar im Hinblick auf wirtschaftliche Verwertbarkeit arbeitet, unabdingbar: Nur so kann erreicht werden, dass zunächst unwirtschaftlich erscheinende Wege beschritten werden, aus denen sich dann unter entsprechenden wirtschaftlichen oder politischen Umständen wirtschaftliche Lösungen ergeben.
Ein Beispiel ist die Euphorie um die Brennstoffzelle als Energiewandler für den Betrieb von Elektroautos. Ein mit Brennstoffzellen ausgestattetes Fahrzeug, welches sinnvollerweise mit Methanol als Kraftstoff betrieben wird, ist ein komplexes Gebilde mit einer kleinen chemischen Fabrik an Bord, die Wasserstoff aus Methanol erzeugt, einer Brennstoffzelle, die den Strom erzeugt und wahrscheinlich 2 oder 4 elektrischen Antriebsmotoren, alles gesteuert und verwaltet von einer computergestützten Prozessanlage. Erst bei einem Einsatz von Direkt-Methanol-Brennstoffzellen wäre eine handhabbare Komplexität erreicht. Über eine flächendeckende Versorgung mit Methanol als Brennstoff wird gar nicht erst laut diskutiert.
Ein alternativer Antrieb ist die Zero Emission Engine eines mittelständischen Unternehmens in Berlin, der IAV bzw. der TEA GmbH, die mit vielen Brennstoffen betrieben werden kann, diese dabei nahezu emissionsfrei verbrennt. Zudem zeichnet sich ab, dass die Fahreigenschaften sowie Abmessungen und Leistungsgewicht wie auch der Wirkungsgrad einem Dieselmotor sehr nahe kommen dürften - und das, obwohl dieser Motor bisher erst als Prototyp stationär getestet werden konnte. Ein solches Motorkonzept würde zumindest als Zwischenlösung zwischen Otto- und Dieselmoter bzw. Brennstoffzellen-Antrieben dienen, da es sowohl Benzin, Dieselkraftstoff oder aber Methanol, Methan oder Wasserstoff nutzen könnte - sicher ein förderungswürdiges Konzept!

Forschung ist kein billiges Geschäft, selbst wenn die Gehälter nicht gerade sehr lukrativ sind. Ein typisches Wissenschaftlergehalt kostet den Arbeitgeber etwa 60000 Euro pro Jahr. Eine gute Infrastruktur mit Werkstätten, Verwaltung und Forschungsmaterial, also Laborausstattung und Verbrauchsmaterial verschlingt gerne 150000 Euro pro Jahr und Wissenschaftler-Arbeitsplatz! Somit kann der besagte Etat etwa 350 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Brot und vor allem Arbeit halten.

Aber gerade erneuerbare Energien verlangen eine sehr breit angelegte Forschung und Entwicklung, denn keine einzelne der Erneuerbaren ist die allseeligmachende. Vielmehr wird ein buntes Spektrum an Möglichkeiten der Energiegewinnung und der Effizienzsteigerung benötigt, will man den steigenden Umweltbelastungen und der drohenden Verknappung fossiler Brennstoffe entgegentreten. So werden Windenergie, Solarthermie, Geothermie, Biomassenutzung, Brennstoffzellentechnik, Recyclingtechnologien, Photovoltaik, Haustechnik, Logistik-Systeme, Siedlungsstrukturen usw. in Gleichberechtigung eine Rolle spielen müssen, die aufsteigenden Probleme zu lösen.

Kann dies mit 350 forschenden Menschen erreicht werden? Wohl kaum, selbst 5000 wissenschaftlich Arbeitende wären zu wenige, um dieser Zukunftsaufgabe mit Vorlaufzeiten eines oder einiger Jahrzehnte Herr zu werden.
Dazu kommt, dass bei einer umweltfreundlichen Energiegewinnung und -nutzung auch positive Effekte zu erwarten sind. Bessere Gesundheit hat - neben dem Wohlbefinden der einzelnen Bürgerinnen und Bürger - zumindest eine Dämpfung des Kostenzuwachses bei den Krankenkassenbeiträgen zur Folge, von den Kosteneinsparungen durch verminderte Aufwendungen für den Erhalt von halbwegs lebensfähigen Ökosystemen ganz zu schweigen.

So bleibt zu hoffen, dass diese Richtung der Politik schnellstmöglich korrigiert wird. Bevor ernsthafte Krisen ein Handeln erzwingen!



Literatur/Quellen