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2001-08-18
KLIMA

Amerika, das Klima und die deutsche Wirtschaft ...

Michael Bockhorst, 18.8.2001

Nun ist die letzte Klimakonferenz von Bonn, die COP6.5, seit einigen Wochen in trockenen Windeln. Eher eine Notlösung, obwohl die Amerikaner nicht mitgemacht haben! Eigentlich hätte man dann doch aller Freiheiten gehabt.

Aber wie war das noch mit den Amerikanern? George Bush wollte es vermeiden, sich an das Kyoto-Protokoll zu binden - die Wirtschaft könnte unter einer Beschränkung des Wachstums leiden, weil verringerter Kohlendioxid-Ausstoß unter Umständen einen geringeren Energieverbrauch voraussetzt; dieser würde sich bei den heutigen Methoden des Wirtschaftens auch negativ auf das Wachstum ausüben, daran besteht kein Zweifel.

Verständlich ist es, dass es den Umweltgruppen nicht gefallen hat, dass sich die USA aus dem Kyoto-Protokoll heraushalten wollen. Auch die recht herben Vorwürfe gegen die Amerikaner von Seiten der deutschen Bundesregierung sind auf der einen Seite verständlich, zumal die USA mit 25 Prozent Anteil am Ausstoß von Treibhausgasen ein Schwergewicht sind.

Nun geht es der deutschen Wirtschaft schlecht, was sich in den nur noch marginal zurückgehenden Zahlen der Arbeitslosigkeit äußert. Und dies, obwohl auf der einen Seite durch Gesetzesänderungen die Anzahl der in Arbeit stehenden nominell erhöht wurde. Noch bedeutender ist der demographische, positiv wirkende Effekt, der durch die vielen Verrentungen in den letzten Jahren Arbeitsplätze hätte freisetzen müssen - seine Wirkung ist nicht sichtbar.

Nun richten sich wieder alle Augen auf Amerika: Das deutsche Wachstum ist so schlecht, weil es der amerikanischen Wirtschaft so schlecht geht ... soll dies bedeuten, dass der Beschluss Bushs gebilligt wird, die amerikanische Wirtschaft wachsen zu lassen?
Wird damit nicht auch eine Erhöhung der Kohlendioxid-Emissionen billigend in Kauf genommen?
Sicherlich wird diese nicht bewusst in Kauf genommen, jedoch sollte man sehr vorsichtig sein, was man fordert - vor allem, wenn Europa selbst keine konstruktive Politik macht, die zeigt, dass auch ein weiteres Wirtschaftswachstum möglich ist, ohne dass Treibhausgas-Emissionen ansteigen oder sogar mit sinkenden Treibhausgas-Emissionen.

Bleibt die Frage, in welche Richtung, in welche Dimension Wirtschaft wachsen kann, um Arbeitsplätze zu sichern, zunächst sogar noch zu schaffen, ohne die Emissionen zu steigern. Einerseits kann die Effizienz vieler Prozesse, die Treibhausgas-Emissionen verursachen, erhöht werden, allerdings nur mit erheblichen Kapital-Investitionen. Eine Alternative ist der Verzicht auf Produkte und Dienstleistungen, die Treibhausgas-Emissionen bedingen.
Beides hätte, würde es zu schnell eingeführt, dramatische negative Auswirkungen in den derzeit bestehenden Gesellschaftssystemen, auch natürlich auf die Wirtschaft. Gesellschaft und Wirtschaft sind jedoch die beiden Komponenten, die wesentlich bei einer an Emissionsminderung interessierten Politik mitwirken müssen.

An einem Fakt wird man jedoch nicht vorbeikommen: Energie ist das wichtigste Futter einer modernen Gesellschaft, deren Hunger nach Energie mit Sicherheit noch steigen wird. Erst mit Methoden der Energieerzeugung, die emissionsarm sind, wird der Umstieg in eine moderne und überlebensfähige Gesellschaft - und Wirtschaft(!) - möglich sein. Dabei könnte gerade die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich der Technik neue, vor allem praktikable Lösungen hervorbringen. Die entsprechenden Produkte wären nicht nur schön und sinnvoll, sie ließen sich schließlich auch verkaufen!

Wo bleibt dann eine Politik, eine Bewegung der Umweltverbände, die eine Reduktion der Treibhausgase und eine Stabilisierung der Wirtschaft in einem Streich erzielt?
Warum macht Deutschland, machen es die Europäer nicht vor, wie man zu einer nachhaltigen Form des Wirtschaftens gelangt?
Zu fordern ist ein Wachstum des Wissens, wie Energie emissionsarm bereitgestellt werden kann! Im Verbund von Politik, Wirtschaft und Bürgern ...