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2002-08-13
KLIMA

Hochwasserkatastrophe in Deutschland - Schuld ist der Treibhauseffekt

Wer ist der Schuldige?

Nun ist der Treibhauseffekt wieder in aller Munde, der mutmaßliche Täter im Fall der derzeit extremen Wetterlagen in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern.
Der Treibhauseffekt ist allerdings nur eine physikalische Tatsache, kann also keine Schuld besitzen. In den nächsten Tagen werden dann wohl zunehmend die Industrieländer, speziell die Amerikaner genannt werden und natürlich der Sündenbock Industrie seine Rolle spielen.
Zu einer Erkenntnis wird man sich wohl nicht durchringen:
Daß jeder einzelne Mensch aller industrialisierten Länder viele Rohstoffe und viel Energie umsetzt und dadurch der Hauptverursacher des anthropogenen (menschgemachten) Treibhauseffekts ist.

Warum gibt es keine Diskussion in der Energiepolitik?

Das unsichtbare Gas Kohlendioxid, welches bei der Verbrennung aller fossilen Brennstoffe frei wird, ist nach heutiger Kenntnis der Hauptverursacher des anthropogenen Treibhauseffektes, dies mit einem Anteil von ca. 90 Prozent. Fossile Brennstoffe werden verbrannt, damit wir Energie für den Betrieb elektrischer Geräte, warme Wohnungen, angenehme Personentransporte und vielfältige Gütertransporte bekommen. Dazu werden alle Güter des täglichen Bedarfs mit einem mehr oder weniger hohen Energiebedarf hergestellt.
Nun kommt die Frage auf, warum niemand über Energiepolitik spricht. Wo doch Energieerzeugung und -nutzung mit Abstand die Hauptverursacher des künstlichen Treibhauseffektes sind.
Vermutlich liegt es daran, daß Politiker nicht vermitteln wollen oder können, daß

  • der Ausstieg aus der Kernenergie doch nicht die optimale Entscheidung war,
  • niemand seinen Wohlstand mindern möchte, was immer auch Wohlstand bedeutet,
  • eine Diskussion über die Verwendung der Ökosteuer aufkommen könnte,
  • das kümmerliche Pflänzchen "Deutsche Wirtschaft" unter einer entsprechenden Debatte leiden könnte,
  • zu schnell klar würde, daß die heutige Wachstumsphilosophie der Wirtschaft modiziert werden muß usw.
So findet in den Zeiten des Wahlkampfes womöglich jede Partei einen Grund, die dringendst notwendige Energiedebatte gerade jetzt nicht zu eröffnen.

Die unseligen Handlungsempfehlungen ...

Nun drehen sich viele Vorschläge darum, wie man die Ausmaße der Katastrophen in Zukunft vermindern könnte, indem man Dämme baut.

  • Zuallererst muß es um die Menschen gehen, deren Leben und Habe in Gefahr ist.
  • Dann muß es darum gehen, daß Hochwasserereignisse nicht mehr so schwerwiegende Folgen haben. Da hilft es nicht alleine, Dämme zu bauen, sondern auch Gebiete, wenn möglich, wieder in ursprüngliche Landschaften umwandeln. Dazu gehören auch Landflächen ohne Besiedlung und ohne landwirtschaftliche Nutzung, die als Pufferzonen dienen und die Pegelspitzen abfangen.
  • Dann kann man in den kritischen Gebieten immer noch Dämme bauen, also technische Einrichtungen in die Landschaft einfügen, die künstlich das Leben für Menschen ermöglichen.

Das wichtigste, allerdings langfristige Ziel, muß die Minimierung der Treibhausgas-Emissionen sein: Diese sind nach heutigem Stand des Wissens der eigentliche Hebel, an dem wir ziehen müssen. Die Entwicklung der nächsten 20-30 Jahre ist gebucht, wenn wir jetzt ein "Weiter-So" betreiben, werden sich frühestmögliche Änderungen entsprechend aufschieben. Alleine die Entwicklung der letzten 20 Jahre sollte doch die Schmerzgrenze für ein Handeln überschreiten!

Wer soll Umweltschutz bezahlen?

Es ist derzeit eher die Frage, ob wir Geld, viel Geld für die Behebung zunehmender Schäden bezahlen oder ob wir viel Geld für die Vermeidung von Schäden aufwenden. Stichworte sind im Fall der Hochwasserkatastrophe zerstörte Straßen, zerstörte Kommunikations-Infrastruktur, zerstörte Wohnräume, zerstörte Ernten usw. - an jeder Milliarde Euro Schäden zahlt ein deutscher Haushalt im Schnitt 30 Euro.
Der materielle Wohlstand scheint dann größer, wenn viel Geld bewegt wird, wenn etwas schief geht, wird`s die Versicherung bezahlen. Oft wird vergessen, daß man ja auch sehr viel Geld in die Versicherung eingezahlt hat. Und eine Versicherung funktioniert nur dann, wenn nicht alle mit maximalem Schaden betroffen werden!
Wird Geld aufgewendet, erhoben durch eine sinnvolle Ökosteuer auf Energie, um Schäden im voraus zu vermeiden, sinkt zwar die verfügbare Geldmenge, gleichzeitig verringern sich die Beiträge für Versicherungen. Sind die materiellen Schäden geringer, wird auch das persönliche Leiden geringer: Das durch die Fluten zerstörte Haus wird vielleicht von der Versicherung bezahlt, aber das Leiden während einer Rettungsaktion, die Zeit bis zum Neubau des Hauses, die Verluste an unwiederbringlichen Gütern wie etwa Fotoalben, usw. ... vermeidet man Katastrophen, wäre zwar der monetäre Wohlstand eher geringer, der empfundene Wohlstand, ein allgemeines Wohlbefinden würde eher steigen.
Zu hoffen bleibt, daß sich die folgende Erkenntnis schnellstmöglich durchsetzt: Langfristig betrachtet wird das Wohlbefinden, ein ganzheitlicher Wohlstand, nur dann erreicht, wenn wir Menschen sparsam mit Energie und Rohstoffen umgehen. Dies bei weniger Geld für Luxus und Schnickschnack, angenehmeren Lebenumständen und besserer Gesundheit!