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2004-02-23
UMWELT

Artikel: Abschaltung von 5 deutschen Kernkraftwerken wegen zu geringer Sicherheit gegenüber terroristischen Angriffen

Michael Bockhorst

Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sollten die 5 am schlechtesten gegen die Folgen eines Flugabsturzes gesichteren Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Diese Aussage basiert auf einer Studie der GRS (Gesellschaft für Reaktorsicherheit), die sich vor dem Hintergrund der Gefahr von Terroristen verursachter Flugzeugabstürze mit der Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke beschäftigt.

Generell bietet das Containment moderner Leichtwasserreaktoren in Deutschland durch seine Betonhülle (ca. 2 m) und eine Stahlhaut (6 cm) eine gewissen Schutz gegen aufprallende Flugzeuge. Unklar ist jedoch, wie stark die Schäden durch den Einschlag eines großen Verkehrsflugzeuges wären: Wird die Hülle beschädigt? Wieviel Radioaktivität kann aus dem Reaktor dringen?

Die Studie ist geheim, Details sind demnach nicht zugänglich. Als ein mögliches Risiko wurde aber in den ersten Tagen nach den Attentaten des 11. Septembers 2001 die Beschädigung der Betonhülle durch die Hitze des brennenden Kerosins genannt. Die Hitze hat auch die Struktur der beiden Türme des World Trade Centers (WTC) so stark beschädigt, daß die Türme zusammengestürzt sind -- der eigentliche Aufprall war ein Auslegungsfall, das WTC hatte diesem erwartungsgemäß standgehalten.

Die vom BfS vorgeschlagene Maßnahme wird sicherlich das Risiko eines schweren Terrorangriffs vermindern, bauliche Maßnahmen wären jedoch vorzuziehen. Gäbe es keinen Atomkonsens, wäre die Motivation der Betreiber für ein Handeln in diesem Sinne wohl deutlich stärker: Sie würden in eine zukunftsträchtige Technologie investieren und der Staat könnte die Betreiber leichter unter Zugzwang setzen. Ein Nachteil des Atomkonsens ist hingegen die Bestandsgarantie für die Kernkraftwerke.

Zudem schwindet in Deutschand zunehmend die Kompetenz für die Wartung, insbesondere jedoch für die Weiterentwicklung kerntechnischer Anlagen. Ein proklamierter Ausstieg aus der Kernenergienutzung bedeutet eben auch, daß Universitäten, Forschungsinstitute und Unternehmen aus Ausbildung, Forschung und Entwicklung aussteigen. Ein sicherlich nicht erwünschter Effekt des Atomausstiegs, aber ein vorhersehbarer!