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2004-02-23
KLIMA

Spontane Klimaveränderungen als nationale Bedrohung - Pentagon-Studie behandelt diese Tatsache

Michael Bockhorst

Nach einem Bericht des Wissenschaftsmagazins Fortune enhält eine Studie des Pentagons, die unter der Aufsicht von Andrew Marshall und Peter Schwartz erstellt wurde, eine klare Aussage: Der Klimawandel ist eine nationale Bedrohung, deren Ausmaß größer sein kann, als die terroristische Bedrohung.

Dabei ist ein Wendepunkt in der Auffassung die Tatsache, daß nicht die Gefahren eines stetigen Wandels des Klimas mit den entsprechenden Nebenwirkungen im Vordergrund steht, sondern das Risiko einer spontanen Änderung des Klimasystems der Erde.

Daß die globalen stetigen Klimaänderungen wesentlich durch den zusätzlichen menschgemachten (anthropogenen) Treibhauseffekt verursacht werden, ist sehr wahrscheinlich und auch inzwischen von praktisch allen Wissenschaftlern und poltitischen Gruppierungen akzeptiert. Dennoch besteht der Glaube, daß wir noch viel Zeit hätten, bis wir reagieren müssen.

Hauptbestandteil des Szenarios dieser Pentagon-Studie: Der Golfstrom kommt zum Erliegen. Der Golfstrom ist die Heizung Europas, die uns Menschen angenehme Temperaturen verschafft, aber auch die Landwirtschaft auf die Weise ermöglicht, wie wir sie kennen.

Fällt der Golfstrom aus, wird Europas Landwirtschaft zusammenbrechen, Heizkosten für Wohnungen steigen ins unermeßliche. Folge wäre eine massive Völkerwanderung.

Daß der Golfstrom in Gefahr ist, läßt sich an drastischen Änderungen der Verhältnisse der Salzkonzentration feststellen, die die "Pumpe" des Golfstroms beeinflussen. Zudem ist die Dicke des arktischen Eisschildes in den letzten Jahrzehnten um etwa 40 Prozent geschrumpft. Mit einem Verschwinden des arktischen Eisschildes würde das Ende des Golfstroms mit Sicherheit besiegelt und die Durchschnittsemperaturen in Europa wären um einige Grad geringer.

In dieser Studie werden auch Kriege als möglich Folgen der Ressourcenverknappung genannt - Ressourcen wie Erdöl oder Erdgas würden knapp, weil die Nachfrage durch die klimatischen Änderungen stark steigt, Nahrungsmittel würden knapp, weil die Ressource "Landwirtschaftliche Nutzfläche" kleiner wird.

Bisher gibt es keine Stellungnahme der Regierung Bush zu dieser Studie. Zu hoffen bleibt, daß diese Studie, die in berechtigter Weise von einer nationalen Bedrohung spricht, Einfluß auf die Politik in Washington nimmt. Vom Pentagon zum Weißen Haus ist es eigentlich nur ein Katzensprung!

Alleine die Existenz dieser Studie -- wie schon erwähnt -- ist ein Wendepunkt in der Auffassung der Bedrohung durch spontane Klimaänderungen. Es besteht durchaus die Chance, daß die entsprechenden Ergebnisse bei einer Ratifizierung des Kyoto-Protokolls durch die USA helfen. Selbst wenn dies nicht geschieht, könnte diese Studie in den Nationallabors der USA Einfluß auf die Themen gewinnen, die dort behandelt werden.

Es ist nun nicht mehr die Zeit für immer mehr Klimaforschung. Die Zeichen stehen auf Sturm. Nun muß die Zeit kommen, in der Forschung und Entwicklung sich mit Alternativen zu der heute verfügbaren Energietechnik und Energietechnologie befassen. Denn unser ungeheurer Energiebedarf und besonders der hohe Anteil fossiler Energien, die zu seiner Deckung eingesetzt werden, forcieren den Einfluß auf das Klima der gesamten Erde. Und wir sind, was das Funktionieren dieses Systems angeht, noch am Anfang unserer Erkenntnis!

Energieforschung muß nationale Aufgabe werden, nicht nur in den USA, wo dies schon ein Marschrichtung ist, sondern auch in Deutschland. Oder könnte nicht Europa, ähnlich wie das CERN (Centre Europeenne de la Recherche Nucleaire), beispielsweise ein ECET (European Center for Energy Technology) gründen?

Quelle: Artikel von David Stipp in Fortune, 23.01.2004