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2004-12-02
ENERGIEPOLITIK

Bundestagsdebatte: Thema Klimaschutz und Ratifizierung des Kyoto-Protokolls

Michael Bockhorst, 02.12.2004

Schön: Große Einigkeit gibt es über die Bundestags-Redner aller Parteien hinweg, daß mit der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls Klimaschutz-Ziele überhaupt formuliert wurden und die Ziele - die Treibhausgas-Emissions-Reduktion um 8-12 Prozent bis 2008-2012 - anerkannt werden.

Verstanden: In den letzten 1 oder zwei Jahren haben offensichtlich die Politiker, daß die Emission von Treibhausgasen zu Veränderungen des globalen Klimas mit regionalen Auswirkungen führen wird. Was vor wenigen Jahren noch Streitpunkt war, ist nun als mit hoher Wahrscheinlichkeit eintretende Bedrohung erkannt.

Wermutstropfen: Die Beziehung zwischen Klimaänderungen und unserem Umgang mit Energie ist noch nicht so vollständig erkannt, wie es zu wünschen wäre. Zwar werden immer (vermeintliche) Erfolge mit erneuerbaren Energien angeführt, aber die Ziele sind unklar.
Geht es darum, erneuerbare Energien zu propagieren, weil sie wirklich Kohlendioxid-Emissionen einsparen oder ist es eher der Schein des ökologischen, der auf die Partei abfärben soll?

Erschreckend: Das deutsche Ziel einer Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um gut 20 Prozent bis etwa 2010 wird als Leistung aktiver Energie- und Umweltpolitik dargestellt. Mitnichten. Die drastischste Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen kam durch den Zusammenbruch energieintensiver Betriebe im Osten Deutschlands, bedingt durch die Änderungen im Zuge der deutschen Einigung, zustande. Das heißt, daß wir auf zweifelhafte Weise von den Änderungen der Wirtschaftsstruktur in den neuen Bundesländern profitieren, was die Kohlendioxid-Emissions-Raten angeht.

Fazit: Die Erneuerbaren alleine können es in den nächsten 10-20 Jahren kaum machen, die Kernkraft will keiner, Kohlekraft ist aufgrund ihrer hohen spezifischen Kohlendioxid-Emissionen sowieso unsinnig. Erdöl wird nicht so schnell knapp, wie einem lieb sein mag: schon heute lohnen sich Verfahren, die Ölsande und Ölschiefer ausbeuten oder Kraftstoff aus Erdgas aus Kohle herstellen. Gerade die letztgenannten Varianten, auch als GTL (Gas to Liquid) bzw. CTL (Coal to Liquid) bezeichnet, werden zur Zeit ausgebaut.
Damit stehen die Zeichen auf Sturm, vielleicht im wahrsten Sinne des Wortes, wie die in der Bundestagsdebatte viel zitierte heftige Sturmsaison in Florida, USA zeigt und die Unwetter, die gerade jetzt auf den Philippinen wüten, vor Augen führen.