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2005-01-12
UMWELT

Lernen aus Katastrophen ...

Michael Bockhorst, 12.01.2005

Die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean, die hauptsächlich die Küstenregionen von Indonesien, Sri Lanka, Indien und Thailand getroffen hat, hat die Medien für etwa 2 Wochen in Atem gehalten und viele Zuschauer auf der ganzen Welt in ihren Bann gezogen. Nun, keine drei Wochen später, läßt das öffentliche Interesse immer mehr nach. Was können wir Menschen aus einer solchen Katastrophe lernen?

So groß die Spendenbereitschaft auch war, das Problem ist bei solchen Katastrophen neben den unzähligen Menschen, die ihr zum Opfer gefallen sind, fast immer ein logistisches: Transportwege zu Land sind zerstört, Boote vernichtet, Brunnen mit Salzwasser vergiftet. Es trifft die Armen, die vom Fischfang leben müssen oder die weniger sicheren Baugründe besiedeln müssen. Es trifft Staaten, die kaum auf solche Katastrophen vorbereitet sind, weil sie weder ein Technisches Hilfswerk noch gut mit Hubschraubern ausgestattete Militärs haben.
Selbst die letzte verbliebene Supermacht, die Vereinigten Staaten, brauchte zwei oder drei Tage, bis sie den Transport von Hilfsgütern an die Überlebenden in Indonesien beginnen konnte. Ein schnelleres Eingreifen wäre aber auch kaum möglich gewesen, weil der Flugzeugträger Abraham Lincoln erst vom Golf in den Indischen Ozean verlegt werden mußte. Schiffe haben hohe Transportkapazitäten, sind aber recht langsam. Und ein Hubschrauber funktioniert nur dann zuverlässig, wenn er kompetent und umfassend gewartet werden kann: Die Logistik für den Betrieb der Logistik muß auch mitgeliefert werden!

Können wir uns effektiv gegen die Auswirkungen solcher katastrophaler Ereignisse schützen?

Der Mensch kann große Mauern und stabile Häuser bauen. Aber Naturgewalten können die Baukunst des Menschen jederzeit überbieten. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis, Stürme können praktisch alles vernichten, was der Mensch herstellt. Die Bilder der Tsunami-Katastrophe haben gezeigt, wie alles, was der Mensch zum leben braucht, in Sekunden zu einer Melange von Baumaterial, Haushaltsgegenständen, Autos, Schlamm und Bäumen verwandelt wurde. Und der Mensch ist viel verletzlicher als seine Bauwerke!
Wir können uns offensichtlich nicht mit Erfolg gegen diese Seite unserer Erde stellen. Also bleibt uns nur, Gefahren möglichst frühzeitig zu erkennen, alle Sinne offenzuhalten.

Wir Menschen glauben oft, daß wir mit unseren naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und ingeneurstechnischen Kenntnissen sehr genau wissen, was unter unseren Füßen passiert, was über unseren Köpfen vorgeht. Wir können 5 Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxien beobachten, einzelne Atome gezielt plazieren, ja sogar Quarks erkennen. Aber die Vorhersage von Erdbeben dürfte wilden Tieren 10 mal besser gelingen als dem mit Sensoren, Computern und Wissen ausgestatteten Menschen.
Ein Tsunami-Warnsystem hätte viele Menschen retten können, vor allem in Thailand, Sri Lanka und Indien. Aber Banda Aceh wäre kaum zu retten gewesen, weil die Vorwarnzeit nicht gereicht hätte. Wir werden uns wohl damit abfinden müssen, daß wir nicht jedes Ereignis im voraus erkennen und flüchten können!

Aus der positiven Perspektive betrachtet: Wir sollten genauso lernen, daß die Erde die einzige Heimat ist, die wir haben! Raffinierte Kreisläufe und Nutzungsketten halten eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren am Leben, formen wunderschöne Landschaften mit Bergen und Seen, Gletschern und Meeren. Wir Menschen sind eingebettet in dieses Gewebe von Stoff- und Energieflüssen.

Die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean ist eine regionale Katastrophe, deren Folgen durch einen positiven Effekt der Globalisierung, nämlich die gemeinsame Hilfe durch Taten, Material und Geld, wenigstens abgemildert wurden. Aber dies zeigt, dass es Anstrengungen der ganzen Welt für diese Hilfs-Aktion bedurfte und bedarf.
Auf der anderen Seite verursacht der Mensch durch die energiebedingten Emissionen an Treibhausgasen, allen voran Kohlendioxid und Methan, eine Veränderung des Strahlungshaushaltes in der Erdatmosphäre. Auch wenn wir keinen hundertprozentig sicheren Zusammenhang zwischen unserem Tun und der Veränderung klimatischer Bedingungen herstellen können: Die zunehmende Erwärmung der Erdoberfläche und der Atmosphäre sowie die immer häufiger auftretenden Wetterextreme sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Vorboten einer globalen, vom Menschen verursachten Klimaveränderung.

Noch kann eine globale Anstrengung, die um ein zigfaches über die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls hinausgehen muß, eine allzu dramatische Entwicklung bremsen oder verhindern. Schaffen wir dies nicht, wird bei einer Klimakatastrophe, einer Katastrophen zwangsläufig globalen Ausmaßes, keine angemessene Hilfsaktion mehr möglich sein.