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2005-12-04
UMWELT

Biotreibstoffe -- nicht immer Oeko!

Michael Bockhorst

Wie Bio sind Biotreibstoffe wirklich? Diese Frage kann man nicht in einem Satz beantworten, weil es verschiedenste Wege zur Herstellung derselben gibt, die mit der Anpflanzung beginnt und mit der Verbrennung des Treibstoffes im Motor endet.

Grundsaetzlich kann man davon ausgehen, dass alle Methoden, die nur Pflanzenteile benutzen, von verminderter Effizienz sind: Es wird nur ein Teil der von der Pflanze gespeicherten Sonnenenergie nutzbar gemacht. Je aufwendiger zudem die Verarbeitung der energietragenden Pflanzenteile ist, desto schlechter wird zusaetzlich die Energiebilanz: Extraktion von Oelen oder das Abdestillieren von Alkoholen aus vergaerten Pflanzenteilen brauchen zusaetzliche Energie.
Oft vergessen, aber von grosser Bedeutung: Pflanzen hoher Produktivitaet, die in grossen Monokulturen angepflanzt werden, muessen sorgsam gepflegt werden. Landarbeit, Schaedlingsbekaempfungsmittel, Duenger erfordern zusaetzliche Energieaufwaende.
Betrachtet man also den ganzen -- industriellen -- Produktionsprozess von Biodiesel oder Bioalkohol, ist der Vorteil gegenueber der Nutzung von Treibstoffen aus Erdoel verschwindend gering.

Neue Methoden der Biotreibstoff-Gewinnungen muessen folgende Kriterien erfuellen:
- Nutzung diverser -- unspezifischer -- Pflanzen als Grundstoff
- moeglichst einfache Prozessfuehrung
Ein Prozess, der diese Anforderungen erfuellen kann, ist die Biomasse-Vergasung. Aus der Biomasse wird unter Hitze, die aus der Verschwelung der Biomasse entsteht, sogennantes Synthesegas erzeugt und gereinigt. Das gereinigte Synthesegas -- ein Gemisch aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff -- kann nun nach der Fischer-Tropsch-Synthese in hochwertige synthetische Kraftstoffe umgesetzt werden, sogenanntes SynFuel, welches in normalen Verbrennungsmotoren ohne deren Modifikation eingesetzt werden kann.

Diese Methode hat das mit Abstand hoechste Potential zu einer Biomasse-Nutzung, die mit geringen Einschnitten in das Landschaftsbild und die Oekosysteme hohe Effizienz bietet. Eine entwicklungstechnische Stossrichtung, die z.B. von CHOREN Industries zunehmend in Pilotanlagen getestet wird -- es bleibt zu hoffen, dass solche Kraftstoffe bald einen nennenswerten Beitrag zur Kraftstoffversorgung leisten koennen. Und dies ohne jegliche Umstellung der Infrastruktur von Tankstellen und Automotoren!


Eine allgemeine Ueberlegung sollte bei der Planung der Biomasse-Nutzung im grosstechnischen Stil immer im Hinterkopf behalten werden: Es geht bei einem Umstieg auf Biomasse als Energietraeger nicht um eine nette Kuschel-Energie, sondern um eine grosstechnische und grossflaechige Anbau-Industrie. Wir muessen uns eine ausreichende Flaeche schoener Landschaft und schoenen Waldes erhalten, wenn wir auch geistig ueberleben wollen!