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2005-12-23
ENERGIEPOLITIK

Dissens über den Atomkonsens

Michael Bockhorst

Die ewige Diskussion -- Kernenergie ja oder nein -- wird wieder einmal geführt, und, wie üblich, auf die gleiche unsachliche Art und Weise.
Da werden Reden geschwungen, daß bei der Kernenergie nur der Strom genutzt würde, bei fossilen Energien könne man die Wärme jedoch mitnutzen und anderer Unsinn.


Wer glaubt, daß man Kernenergie gegen fossile Brennstoffe ausspielen könne, hat offensichtlich noch nicht verstanden, was Klimawandel und seine Folgen bedeuten! Der Klimawandel, insbesondere ein plötzliches Kippen des Klimas in einen lebensfeindlichen Zustand, ist die ultimative Bedrohung für die Menschheit. So schlimm der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war, sie ist ein kleiner Unfall im Vergleich zu einem globalen Klima-GAU.

Der Film "The Day after Tomorrow" hat die Geschwindigkeit des Eintretens maßlos übertrieben, ein Punkt, der den Film unglaubwürdig macht. Die Aussagen, daß ein "Sterben" des Golfstroms erst in hundert oder hunderten Jahren stattfindet, sind unter Umständen ähnlich irreführend.
Die Wahrheit wird voraussichtlich dazwischenliegen: In einigen Jahrzehnten könnte sich der Prozeß der heute schon meßbaren Abschwächung des Golfstroms stark beschleunigen und eine Klimakatastrophe innerhalb weniger Jahre provozieren. 5 Grad weniger in Deutschland hören sich harmlos an, bedeuten aber viel kürzere Vegetationsperioden, weniger landwirtschaftliche Nutzfläche, mehr Energieverbrauch für das Heizen usw.

Die Debatte um unsere zukünftige Energieversorgung muß zumindest in einer Offenheit für alle Energiearten stattfinden, ob es sich um die Endlagerung von Kernbrennstoff-Abfällen oder um die Endlagerung von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre geht. Und sie sollte sachlich geführt werden, ideologisches Gebrüll oder politisches Taktieren führen nicht zum Ziel.