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2005-12-30
ENERGIEPOLITIK

Politik unter energetischen Zwaengen?

Michael Bockhorst

Energiepolitik ist fuer einen hochtechnisierten Staat wie Deutschland einer der wichtigsten Politikzweige, wenn nicht der wichtigste ueberhaupt. Ohne Energie liefe in Deutschland nichts mehr, keine Heizung, keine Produktion, keine Mobilitaet -- nicht nur ein wirtschaftlich-technisches Problem, sondern auch ein gesellschaftliches Problem: Ohne Energie wuerden auch die gesellschaftlichen Strukturen zusammenbrechen, weil Betriebe ihre Arbeit einstellen muessten, Nahrungsmittel nicht mehr produziert und verteilt werden koennte, usw.
Die Zuverlaessigkeit der Energieversorgung ist wichtiger als der Preis, denn eine Schwaechung der Wirtschaft kann man noch wegstecken, einen Zusammenbruch jedoch nicht.

Ein Energiemix in doppelter Hinsicht ist daher von essentieller Bedeutung: Diversifizierung der eingesetzten Energietraeger, um Abhaengigkeiten von den speziellen Problemen einzelner Energietraeger zu mildern und Diversifizierung der Lieferanten fuer die jeweiligen Energietraeger!

In diesem Zusammenhang ist die starke Verabhaengigung Deutschlands von russischem Erdgas, die mit dem Bau der neuen Ostsee-Pipeline stattfinden wuerde, als hoechst bedenklich einzustufen. Auch wenn Fluessiggas-Transporte von Erdgas mit grossen Tankschiffen noch Neuland sind: Sie wuerden die Transportwege und die damit einzugehenden Abhaengigkeiten wesentlich entschaerfen. Die gleichen Tanker könnten Gas bei Gazprom kaufen, aber auch in Quatar, Norwegen oder Nordafrika.
Es waere zu ueberdenken, die finanziellen Ressourcen statt in die Pipeline in eine Tankerflotte und Lade-Terminals zu investieren. Gazprom koennte Geld in Deutschland verdienen, wenn auch nicht so viel. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schroeder haette einen weniger ruhigen, aber vielleicht auch spannenderen Job, eine neue Infrastruktur aufbauen zu koennen, die wirklich innovativ und zukunftssicher ist.