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2006-01-27
ENERGIETECHNIK

Artikel: Renaissance fuer die Segelschiffahrt?

Michael Bockhorst

Windenergienutzung fuer Mobilitaet kann durchaus eine wesentliche Bedeutung erlangen: Die kombinierte Motor- und Segelfahrt von Grossschiffen kann wesentliche Ersparnisse an Kraftstoffen zur Folge haben, dabei aber dennoch in die heutigen Logistiksysteme integriert werden. Weitaus wichtiger ist aber die Reduktion der Emissionen schaedlichen Schwefeldioxids.

Windenergie zur Stromerzeugung ist in Deutschland fast schon ein alter Hut. Fossile Brennstoffe fuer den Verkehr zu ersetzen, ist damit kaum moeglich.

Die Firma Skysails zeigt jedoch einen Weg auf, der grosse Frachtschiffen einen emissionsfreien "Zusatzantrieb" zur Verfuegung stellt, der bis zu 50 Prozent Treibstoff einsparen kann. Der gesamte jaehrliche Verbrauch an Treibstoff durch die Frachtschiffahrt liegt bei etwa 300 Millionen Tonnen, der gesamte Oelverbrauch Deutschlands betraegt im Vergleich dazu 125 Millionen Tonnen (1.5 Tonnen pro Kopf/ca. 1800 Liter pro Kopf).

Ein Segel, welches dem eines Lenkdrachens gleicht, zieht ueber ein Seil das Frachtschiff. Diese Segeltechnik zeigt wesentliche Vorteile gegenueber klassischen Mastseglern: Der Angriffspunkt der Zugkraft kann optimiert werden, sodass die Schiffe mit ihrer oft empfindlichen Fracht nicht in Schraeglage geraten. Das Segel kann leicht eingeholt werden, auf der anderen Seite aber auch in Hoehen plaziert werden, in denen die Windgeschwindigkeit hoeher liegt und damit eine bessere Ausnutzung der Segelflaeche erlaubt.
Es handelt sich dabei um eine komplexe Maschinerie, die in vielen Parametern an die jeweilige Situation angepasst, ihre Aufgaben leisten wird.

Vor zwei Jahren noch Theorie, unterstuetzt duch Experimente mit verkleinerten Prototyp-Modellen, ist der Firma Skysails nun der Verkauf des ersten Systems geglueckt. Das Segel soll dem Frachter MS Beluga Skysails zu dem innovativen regenerativ versorgten Antrieb verhelfen. Im Jahr 2007 werden damit Erfahrungen und Ergebnisse im "Realbetrieb" vorliegen, ab 2008 sollen die Skysails-Systeme kommerziell verfuegbar sein.

Ein Lenkdrachensystem fuer den Antrieb von Frachtschiffen? Damit soll man wirklich Energie sparen und Emissionen sparen koennen? Die eingangs genannten Zahlen zum Energiebedarf des internationalen schiffsgebundenen Frachtverkehrs sprechen eine deutliche Sprache: Der Energiebedarf des Frachtverkehrs ist ein wesentlicher Faktor, der eher zunehmen wird. In einer Welt mit globalisierten Transportrouten, die Rohstoffe, Energietraeger, Halbzeuge und Fertigprodukte weltweit zwischen Fund- und Produktionsstaetten sowie den Endverbrauchern hin und herschieben, ist der Bedarf an transportierter Tonnage gigantisch.
In dem Billig-Billig-Billig-Wahn und unter der Praemisse des derzeit relativ kostenguenstigen Transportes von Guetern (und Menschen) ist es kein Wunder, dass Unternehmen immer weitergehend die Unterschiede zwischen Lohnniveaus, Umweltstandards, Ressourcenverfuegbarkeit nutzun, um die Preise "herunterzudrucken".

Der Warenverkehr wird ueber die naechsten zwei Jahrzehnte wahrscheinlich noch deutlich steigen, weshalb eine Reduktion des Ressourcenbedarfs und der Emissionen - bezogen auf die transportierte Guetermenge - ein wichtiger Beitrag zur Verringerung der schaedlichen Auswirkungen des menschlichen Treibens ist.
Dabei werden Systeme der Skysails GmbH ganz sicher eine bedeutende Rolle spielen - sie orientieren sich an klassischen Komponenten, Wind und Segel, kombinieren sie aber mit Erkenntnissen moderner Werkstoff- und Steuerungstechnik, vereint mit innovativen Ideen wie der Optimierung des Zugpunktes.

LINK:
Webseite der Firma Skysails