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2006-02-26
ENERGIERESSOURCEN

Artikel: Sparsame LCD-Fernseher als Stromfresser?

Michael Bockhorst

LCD-Monitore gelten als sparsame Bildschirme. Das stimmt nur bedingt: Der Trend zu immer größeren Bildschirmen macht der an sich sparsamen Technik den Garaus.

Bei Computerbildschirmen hat die Einführung der LCD-Technik zunächst zu einer Drittelung des Stromverbrauchs bei den Monitoren geführt. Der Trend zu immer größeren Bildschirmen ist aber in vollem Gange. Und der Trend zu immer mehr Helligkeit -- die Glaswände moderner Bürobauten machen die Büros so hell, daß auch die Bildschirme angepaßt werden müssen.

Der Stromverbrauch eines LCD-Displays ist proportional zu seiner Fläche und zu seiner Helligkeit. Brauchten ältere 15-Zoll-Displays noch 30-40 Watt, so verschlingen helle 21-Zoll-Displays schnell 100-120 Watt, womit wir wieder bei dem Stromverbrauch der Röhren-Bildschirme vor 10 Jahren wären, allerdings mit mehr Helligkeit, höherer Auflösung und ohne Bildfehler.

Noch heftiger ist aber der Trend bei Fernsehgeräten. Ein 17-Zoll-LCD-Fernseher im 16:9-Format braucht etwa 40-50 Watt, also etwas weniger als ein Fernseher mit 20 Zoll und 3:4-Format. Der Trend geht aber inzwischen bei den LCD-Fernsehern immer mehr in Richtung 30, 40 oder 50 Zoll. Ein 40-Zöller hat etwa die 6-fache Fläche ... und damit den 6-fachen Stromverbrauch, also etwa 300 Watt. 3 Mal mehr als ein herkömmlicher Fernseher 70cm-Diagonale und Bildröhre.

Was, wenn es jeder täte: Angenommen, die Hälfte der Bundesdeutschen Haushalte würde ihre 100-Watt-Fernseher gegen große LCDs austauschen, die 300 Watt brauchen. Der gemeine Haushalt hätte den Fernseher 6 Stunden pro Tag in Betrieb. Wie groß ist die Auswirkung auf den bundesdeutschen Stromverbrauch? Jeder zweite Haushalt würde im Schnitt 50 Watt mehr Strom brauchen. Bei 18 Millionen Haushalten macht dies einen erhöhten Leistungsbedarf von 900 Megawatt aus, was der Leistung eines Gro"skraftwerkes nahekommt. Der Stromverbrauch in Deutschland würde um ca. 1.5 Prozent steigen!

Es gibt zwei Ansätze, dieses Problem zu vermeiden:
Ein kleiner Fernseher mit 40 Watt für das Fernsehen "nebenbei" und für Nachrichten und den Großfernseher oder Beamer für Filme und Dokumentationen.
Oder warten auf die aktive LED-Technik, die das Licht direkt im Pixel und mit hohem Wirkungsgrad direkt in der benötigten Farbe erzeugt -- hier ist nicht die bei einigen Notebooks eingeführte LED-Hintergrundbeleuchtung gemeint. Hiermit ließe sich der Wirkungsgrad für weiße Flächen um etwa den Faktor 6 steigern. Ein Science-Fiction-Film wie "2001 - A Space Odyssey" enthält so viel schwarzen Weltraum, daß der Strombedarf in vielen Szenen auf ein hundertstel sinken würde!

Es bleibt zu hoffen, daß die aktive LED-Technik bald Einzug in die Multimedia-Welt hält, damit nicht stromfressende Großbildfernseher jegliche Bemühungen zunichte machen, den Stromverbrauch und die damit zwangsläufig verknüpften Emissionen zu senken, wenigstens jedoch zu stabilisieren.