News/Artikel auf energieinfo.de
2006-05-27
UMWELT

Artikel: Schädliche Biomasse-Nutzung?

Michael Bockhorst

Holz zum Heizen ist in, Holzpellets sind der Renner. Aber wie sinnvoll ist der Energieträger Holz in der Gesamtbilanz als Alternative zu fossilen Brennstoffen? Was passiert, wenn es jeder tut?



Die Nutzung von Biomasse ist generell eine sinnvolle Sache. Schließlich werden keine Emissionen des gefährlichen Treibhausgases Kohlendioxid erzeugt, weil der Kohlenstoff der Pflanzen in einem Kreislauf genutzt wird. Kreisläufe sind die besten Nutzungsweisen von Energieträgern, die mit Sicherheit die lineare Nutzungsketten der nuklearen und fossilen Energieträger in Zukunft ersetzen werden.

Wenn man den Blick öffnet und sich die gesamte Palette der Emissionen anschaut, die fossile Brennstoffe auf der einen Seite, die biogenene Brennstoffe auf der anderen Seite freisetzen, wird das Bild deutlich unübersichtlicher. Eine Gas- oder Ölheizung kann so gebaut werden, daß sie sehr hohe Energieausbeuten mit sehr geringen Emissionen an Stickoxiden und Feinstäuben kombiniert. Ist der Brennstoff schwefelarm, kann man das Problem der Schwefeldioxid-Emissionen auf ein vertretbares Maß reduzieren. [br]
Biogene Brennstoffe, etwa Holz oder Holzpellets, sind Stoffgemische, die neben dem von den Pflanzen aufgenommenen Kohlendioxid einen Cocktail giftiger Stoffe und die gefährlichen Feinstäube freisetzen, sind da wesentlich problematischer.

Die noch vor 20-30 Jahren in Deutschland praktizierte ungefilterte Verbrennung von Kohle hat uns das Waldsterben beschert. Filteranlagen wurden in nur 10 Jahren nachgerüstet und haben das Problem der Schadstoffemissionen weitgehend behoben, das Waldsterben ist freilich nicht in der gleichen Geschwindigkeit behoben worden -- erst jetzt, Jahrzehnte später, haben sich die Waldschäden auf hohem Niveau stabilisiert. Man mag sich aber nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn man nicht agiert hätte ...

Mit einer exzessiven Nutzung von Biomasse in kleinen Hausfeuerungsanlagen könnte das Problem jedoch wieder aufleben. Schon heute wird die Feinstaubreduktion, in den 1980er Jahren durch die TA Luft bei großen Feuerungsanlagen geregelt, durch die Verbrennung von Holz praktisch kompensiert. Über die Dioxin-Freisetzung mit Abgasen aus der Holzverbrennung wird kaum diskutiert, sie ist jedoch ein weiteres Problem.

Wie bringt man die Vorteile der Biomasse, ihre Kohlendioxid-Neutralität, mit den Vorteilen großer fossil befeuerter Heizanlagen zusammen, die sich durch geringe Emissionen an Feinstäuben und Schadgasen auszeichnen, zusammen? Da hilft nur die Einrichtung biomasse-befeuerter Kraftwerke, bei denen eine Abgasbehandlung technisch und wirtschaftlich sinnvoll zu gestalten ist. Werden diese auch noch in Kraftwärmekopplung betrieben, kann die Energieausbeute weiter erhöht werden.

Aber Kraftwärmekopplung ist kein Allheilmittel. Schließlich schwankt die Zusammensetzung des Bedarfs an Strom und Wärme so stark, daß das Kraftwerk nur selten beide Energieformen mit hoher Effizienz bereitstellen kann. Tot geglaubt aber dank Niedrigenergie-Bauweise wieder im Rennen hilft hier die Wärmepumpe. Auch wenn Strom mit einem Wirkungsgrad von etwa 35-50 Prozent aus Brennstoffen gewonnen wird (im Vergleich zu 70-85 Prozent Wirkungsgrad bei der direkten Wärmenutzung), kann eine Wärmepumpe aus 1 Kilowattstunde Strom 3--4 Kilowattstunden Wärme machen. Die Energieausnutzung ist dadurch mindestens der direkten Wärmenutzung vergleichbar, übersteigt sie sogar oftmals deutlich.

Dem Trend oder besser dem Dogma "Small is Beautiful" ist hier eine deutliche Absage zu erteilen. Die Filterung von Schadstoffen kann nur in großtechnischen Anlagen wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll gelöst werden.

Bisher ist dieses Problem kaum aufgefallen, weil bei der Holzheizung der Faktor Gemütlichkeit im Vordergrund stand. Seit den dramatischen Preissteigerungen der gering besteuerten Heizenergieträger Öl und Gas sind Holz -- und Braunkohlebriketts -- die billigere Alternative, was die Schadstoffemissionen hochtreiben wird, wenn immer mehr Menschen auf diese Billig-Alternative zurückgreifen. Dies betrifft im übrigen nicht nur die Emissionen, sondern auch die Versorgungslage: Ein nachhaltig bewirtschafteter Wald wirft ca. 2--3 Tonnen Brennholz pro Jahr und Hektar ab: Deutsche Wälder werfen nur ein paar Prozent des deutschen Heizwärmebedarfs ab. Wenn es jeder täte ... wäre die Alternative die Bewirtschaftung mit Energiepflanzen in riesigen Monokulturen oder die Rodung natürlicher Wälder in fernen Ländern zum Anbau von Energiepflanzen.

Wollen wir wirklich den tropischen Regenwald in unseren Öfen verheizen oder anfangen, uns nicht mehr auf Kosten anderer an eigenen Energiequellen zu laben?

Literaturhinweis:

Link zu dem Artikel und Dokument des Umweltbundesamtes