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2006-05-28
UMWELT

News: Massive Fraßschäden im Bonner Kottenforst

Michael Bockhorst

Auffallend starke Fraßschäden im Bonner Kottenforst weisen darauf hin, daß es dem deutschen Wald nicht so gut geht, wie viele glauben mögen.

Wälder sind nicht nur irgendeine Ansammlung von Bäumen, die zufällig dichter beisammen stehen und große Flächen bedecken, sondern komplexe Ökosysteme, in denen viele Komponenten miteinander stark verzahnt sind. So spielt neben den Bäumen auch der Besatz des Bodens mit Pflanzen und Mikroorganismen eine wesentliche Rolle. Bild von schweren Frassschaeden an Baeumen im Kottenforst/BonnDazu kommen Eigenschaften des Untergrundes und des Geländes, die den Wasserhaushalt wesentlich mitbestimmen.
Dazu kommen Wetterereignisse und sich ändernde klimatische Bedingungen, die auf den Wald einwirken. Die globale Erderwärmung hat bereits heute eine wesentliche Auswirkung auf die Ausbreitung von Arten, also auch von Pflanzenschädlingen. Besonders kritisch ist dies, wenn Schädlinge in neue Gebiete wanderen, weil sie dort nun gute Temperaturbedingungen vorfinden, ihre Schädlinge der ursprünglichen Lebensräume jedoch nicht mitwandern - dies führt zur explosiven Vermehrung der Schädlinge und zu den massiven Fraßschäden.

Die schweren Waldschäden, die in den 1970er und auch noch in den 1980er Jahren durch Schwefeldioxid und Stickoxide aus Kraftwerken, Hausbrand und dem Straßenverkehr verursacht wurden, sind noch lange nicht behoben (s. 1. Link unten). Sie stabilisieren sich auf hohem Niveau! Dazu hat der Sommer 2003, der sehr heiß und trocken war, Bäumen und Wäldern zugesetzt.

In diesem Jahr sind viele Bäume von den unteren Etagen bis hin zur Baumkrone nahezu kahlgefressen. Die Minier-Motten-Larven haben sich vorwiegend an Kastanienbäumen gelabt und diese im Spätsommer in einigen Städten nahezu vollständig entlaubt. Die derzeit beobachtete Plage scheint sich jedoch auf verschiedene Arten auszuwirken. Dazu kommt, daß besonders kleine Bäume schon Ende Mai nahezu vollständig kahlgefressen sind.

Werden Bäume ihrer Blätter entledigt, können sie keine Photosynthese mehr betreiben. Dies führt dazu, daß sie kaum noch benötigte Nährstoffe und Strukturmaterialien erzeugen können und geschwächt werden. Dazu kommt, daß der Bodenbewuchs viel höheren Lichtmengen ausgesetzt wird, was wiederum für bestimmte Pflanzen zu einem Problem werden könnte.
Es bleibt zu hoffen, daß die "Entlaubung" nicht in dem Maße voranschreitet wie bisher ...


Link im Internet:

Waldschadensbericht 2005 (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald)