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2006-11-15
KLIMA

Artikel: Missing Link -- Klimawandel und Energie

Der Klimawandel wird immer noch als unvermeidlich Naturkatastrophe betrachtet, waehrend seine Ursachen, die exzessive Energienutzung der Menschheit, insbesondere der Buerger der hochindustrialisierten Laender, als getrenntes Thema behandelt werden.

Die Bewaeltigung des Klimawandels kann aber nur dann geleistet werden, wenn wir unseren Umgang mit Energie nachhaltig veraendern. Indem wir endlich eine zukunftsfaehige Energieversorgung etablieren!


Michael Bockhorst


Die Wirkungskette von der Energienutzung durch die Menschheit bis hin zu den Extremwetterereinissen und langsamen Klimaaenderungen wird viel zu selten durchschaut. Aber nur das Bewusstsein, dass jede Kilowattstunde Strom, jeder Liter Sprit und jeder Kubikmeter Erdgas, die wir verbrauchen, dazu fuehrt, dass sich das Klima aendert, kann uns zum Handeln bringen. Und wir muessen jetzt handeln.

Das Handeln muss auf allen Ebenen stattfinden. Der einzelne Buerger, die Kommune, das Land, der Staat muessen ihren Beitrag leisten, damit die globale Bedrohung durch den Klimawandel und seine Folgen abgemildert werden kann.

Kohlendioxid, Methan und Lachgas tragen in dieser Reihenfolge abnehmend zum Klimawandel bei. Hauptproblem ist also das Kohlendioxid, welches besonders bei der Verbrennung der Kohle, aber auch beim Einsatz von Erdoelprodukten und Erdgas freigesetzt wird.
Die einzige Chance, den Klimawandel bei der Wurzel zu packen, ist ein Ersatz der fossilen Brennstoffe durch andere Primaerenergien.

Das Dilemma: In vielen Bereichen sind die erneuerbaren Energien noch nicht reif, die einfach zu nutzenden Fossilen zu ersetzen. Es fehlt im Bereich des Stromsektors eine Moeglichkeit, den Strom sinnvoll zu speichern, um das schwankende Angebot der meisten leicht skalierbaren und technisch verfuegbaren Energien (Windkraft, Photovoltaik) auszugleichen und die grundlastfaehigen fossilen und nuklearen Kraftwerke zu ersetzen.
Die Kernenergie, im Hinblick auf Klimagasemissionen, Flaechenverbrauch und Emissionen waehrend des Normalbetriebs wuenschenswerte Energiequelle hat ihre eigenen Tuecken: Der Kraftswerksbetrieb waere mit Generation-IV-Kernreaktoren (Hochtemperatur-Reaktoren in kleinen Leistungseinheiten) sicher zu gestalten, die Probleme der Proliferation, also der Weitergabe von nuklearem Material an Terroristen oder terroristische Staaten, und die Endlagerung sind noch nicht befriedigend geloest.

Der Ausweg: Forschung, Forschung, Forschung. Nach skalierbaren, risikoarmen und kostenguenstigen Stromspeichern und nach effizienteren Methoden, Kraftstoffe moeglichst direkt aus Sonnenenergie herzustellen. Ein Aufblaehen der Forschung, wie der Klimawandel besser durch Anpassung bewaeltigt werden kann, ist strikt zu vermeiden! Was nutzt es uns, dass wir wissen, wie Weinreben auf den Deichen Norddeutschlands kultiviert werden koennten oder welche Fische in einer 23 Grad warmen Nordsee gedeihen? Viele Zusammenhaenge solcher Artenspektren und erst recht Folgerungen fuer eine daran angepasste Nahrungsproduktion sind reine Spekulation.

Die Anpassungsstrategen scheinen im Moment das Sagen zu haben. Leider. Denn eine Vermeidungsstrategie, also im Klartext die vollstaendige und schnelle Umgestaltung der weltweiten Systeme zur Energieversorgung ist die einzige Chance, dass wir unsere rasante Fahrt in die vielschichtige Energiekrise verzoegern und die Kurve noch bekommen koennen. Denn die Klimakrise ist eine direkte Folge unserer Energiekrise, die nicht nur aus der Versorgungskrise besteht, sondern vielfaeltige Facetten besitzt.

Literatur:
Website zu Michael Bockhorst: Mit Vollgas in die Energiekrise ...