News/Artikel auf energieinfo.de
2007-01-06
KLIMA

Artikel: Klimawandel -- die Zeit ist reif ...

Michael Bockhorst

Eine erstaunliche Wende ist festzustellen: Plötzlich ist der Klimawandel wieder in aller Munde. Besonders, wenn es mit dem Skifahren nicht mehr so klappt. Für uns und für die Profi-Sportler. Plötzlich werden verschiedenste Aspekte des Klimawandels in der Presse ut und als neueste Erkenntnisse präsentiert.

Wann die Nordsee überfischt wird, weiß man auf das Jahr genau. 2007 wird das wärmste Jahr aller Zeiten -- das weiß man schon am 3. Januar. Und das, wo eine zuverlässige Wettervorhersage kaum für mehr als 3-5 Tage gelingt, und selbst das nur eher selten. Und im Jahr 2060 wird jeder Bundesbürger pro Tag 4.28 Liter Erdöl verbrauchen -- bitte nicht zitieren, das war nur ein aus den Fingern gesogenes absurdes Beispiel.

Immerhin sickert es langsam in unser aller Bewußtsein, daß der Klimawandel weder eine Erfindung von Ökospinnern noch irgendwelcher industrieller ist. Der Klimawandel ist real, nah und unerbittlich geworden. Das erschreckenste ist dabei: Alle Fakten, die uns täglich vorgekaut werden, sind seit 5, 10 oder fünfzehn Jahren wohlbekannt. Ein paar schwerere Hurricanes im Jahr 2005, eine eisige erste Jahreshälfte in 2006 und die verpatzte Skisaison Ende 2006 und die Fakten kommen endlich an die Oberfläche.

Für das Wissen ist gesorgt, Verstehen macht sich hier und da breit, einzig das konsequente Handeln fehlt. Oder vielleicht nicht? Im Moment scheint es auf einen Kampf zwischen Klimaschützern und Anpassungsstrategen hinauszulaufen.

Klimaschutz bedeutet, den gewaltigen Einfluß unseres energetischen Treibens zu verringern, also in erster Linie Treibhausgasemissionen zu senken. Und zwar nicht um 5 Prozent, sondern um 50 Prozent oder mehr. Dazu ist ein Umbau unserer fossil befeuerten Energieversorgung unerläßlich.

Anpassungsstrategen bauen hingegen höhere Deiche, neue sturmsichere Häuser oder verkaufen Hausbausätze, die sich nach einer Katastrophe schnell aufbauen lassen. Letzteres ist kein Scherz sondern bitter Realität -- kann ja auch etwas mit verdienen.

Anpassen werden wir uns an den Klimawandel müssen, aber der Vermeidung weitergehender Eingriffe in das Klimasystem unserer Erde muß Vorrang eingeräumt werden. Sofort und Massiv.
Die Vermeidungsstrategie ist sicherer und billiger. Aber man kann mit ihr auch nicht so viel Geld machen. Wer spricht heute von Energieforschung? Niemand. Wer spricht von Dammbau und Aufforstung neuer Wälder mit klimaresistenten Bäumen? VIele.

Die Zeit ist reif für die Erkenntnis, daß wir einen Wandel des Klimas angefacht haben. Es ist aber auch keine Zeit mehr zu verschwenden, die CO2-Emissionen drastisch zu senken.

 

 

P.S.: Für alle Zweifler: Wir Deutschen würden, wenn Deutschland seine Luft nicht mit dem Rest der Welt austauschen würde, binnen 2--3 Jahren unsere atmosphärische CO2-Konzentration verdoppeln. Wir würden längst in unserem Saft schmoren, wenn wir den Rest der Welt nicht als Endlagerstätte für dieses Treibhausgas mitnutzen würden!