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2007-01-13
ENERGIERESSOURCEN

Kommentar: Kernenergie ersetzt kein Öl -- oder doch?

Michael Bockhorst

Alle reden vom Energiemix, aber so manche und mancher haben noch nicht verstanden, was er bedeutet. Leider auch führende Politiker, die es besser wissen müssten, zumindest ihre Berater.

Auf den ersten Blick ist die folgende Aussage richtig: Kernenergie kann kein Öl ersetzen. Schließlich produzieren heutige Kernkraftwerke weder Treibstoffe oder Heizöl. Und Strom wird im Verkehrssektor nur für Bahnfahrzeuge verwendet.

Aber ein zweiter Blick auf die Situation lohnt sich:

  • Kraftstoffe auf Erdölbasis können mit Kernenergie über einen Umweg gespart werden: Kernkraftwerke statt gasbetriebener Kraftwerke und das eingesparte Gas für Fahrzeuge
  • Ölheizungen können durch elektrisch betriebene Wärmepumpen ersetzt werden. Hier wird konkret das Erdölprodukt Heizöl eingespart
  • Für viele liegen die täglichen Fahrstrecken unter 50 Kilometer -- es zeichnet sich ein Trend zum Elektroauto ab, welches eine solche Reichweite besitzt. Dabei würden die Erdölprodukte Benzin und Diesel eingespart.

Diese Tatsachen sollen eine offene Diskussion über den sinnvollen und verantwortbaren Einsatz der Kernenergie nicht überflüssig machen, aber sie gehören dazu -- genauso wie die Risiken und Nebenwirkungen bei der Nutzung der Kernenergie oder anderer Energiequellen.

Was nutzt es, wenn wir uns auf Biotreibstoffe versteifen, die im Jahr 2025 zu 80 Prozent aus Afrika und Südamerika geliefert werden, wo ehemals reichhaltige Tropenwälder existierten? Das wäre nur ein Tausch mit der heutigen Abhängigkeit. Dabei etwas weniger Klimawandel und viel mehr "Naturverbrauch".

Eine sachliche und menschliche -- also auch emotional unterfütterte -- Debatte, ob und vor allem wie Kernenergie einen Beitrag zum Energiemix leisten soll, ist unvermeidbar. Aber dafür müssen alle Fakten auf den Tisch, alle Pros und Contras für alle Arten unserer Energienutzung. Dies sollte jeder Politiker beherzigen, der das Wort Kernenergie oder Atomausstieg in den Mund nimmt. Und jeder Bürger ist in der Pflicht, sich kundig zu machen, um die Debatte nachvollziehen zu können. Journalisten, Wissenschaftler und Lehrer sollten Mittler zwischen den Interessengruppen werden: Informieren, Verständnis schaffen, Kommunikation fördern.