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2007-01-19
UMWELT

Kommentar: Schluß mit lustig ...

Michael Bockhorst

Das Ende der Spaß-Gesellschaft ist in Sicht. Ein Leben in ständiger Angst vor dem nächsten Sturm, der nächsten Dürre oder der nächsten Überschwemmung? Ein Leben ohne Ski-Spaß und ohne das viel zu teuer gewordene Fliegen? Ein Leben in ständiger Angst vor steigenden Lebensmittelpreisen und sinkendem Einkommen?

Wer weiß. Zumindest ist die große Party der 1980er und 1990er Jahre endgültig zu Ende. Und unsere Probleme werden immer schneller immer größer. In den heutigen Zeiten werden sie am Klimawandel festgemacht, aber das Problem liegt viel tiefer: Wir Menschen gehen nicht mehr mit unserem Lebensumfeld um. Wir haben den Kontakt zu den elementaren Bedürfnissen und der elementaren Bedürfnisdeckung verloren.

Es tut uns nicht mehr weh, wenn wir durch unser Verhalten Menschen töten oder unsere Lebensgrundlagen entwerten oder gar vernichten. Ja, jeder von uns tötet oder vernichtet -- auch wenn wir es nicht direkt bemerken: Mit jedem Hochdrehen des Heizungsventils, mit jedem jedem Druck auf das Gaspedal, mit jedem Kauf eines Produktes sorgen wir direkt oder indirekt für schädliche Emissionen.

Nun, endlich, holen uns die Sünden der vergangenen hundert oder hundertfünfzig Jahre ein. Dabei ist der Klimawandel nicht das einzige Problem, wir haben, wie schon erwähnt, den Bezug zu unseren Lebensgrundlagen vollkommen verloren. So können wir uns in einem Jet ohne körperliche Anstrengungen 100-mal schneller bewegen, als es der wohltrainierte Wanderer schafft. Wir haben Maschinen, die 1000000-mal schneller rechnen können, als wir, wir fahren Autos, die 1000-mal mehr Leistung haben als wir selbst. Ohne nachzudenken, ohne ein tieferes Verständnis dessen, was wir tun.

Schon bald werden wir uns wieder sehr viel stärker mit unserem Umfeld beschäftigen müssen: Nahrung ist nicht mehr ganz so selbstverständlich, Mobilität hat wieder etwas mit Muskelkraft zu tun und der Wohnraum wird nicht mehr so üppig sein.

Aber bedeutet "Schluß mit Lustig" auch, daß wir ein weniger erfülltes Leben führen werden? Eher nicht! Die Beschäftigung mit elementaren Bedürfnissen und den Elementen unseres Umfeldes wird uns stärker in Anspruch nehmen als die heutige Hutschi-Putschi-Clicki-Bunti-Welt! In der Energie- und Klimakrise steckt tatsächlich auch die Chance zu einem intensiveren Erleben und einer Resozialisierung ... beides haben wir bitter nötig!