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2007-02-25
ENERGIEPOLITIK

Glosse: Massenmord an der Glühbirne -- und wozu das ganze?

Nun wollen Politiker die Glühbirne ermorden. Einfach so. Um das Klima zu retten.

Michael Bockhorst

Vor einigen Monaten wurde die Leuchtstoff-Lampen-Aktion der amerikanischen Supermarktkette Walmart noch milde belächelt. Dann ruft die bislang als übler Klimaschänder geltende australische Regierung zur Verbannung der Glühlampen auf. Nun sollen es ihm auch die Europäer nachtun.

Werden wir nun gezwungen, im sterilen, immer noch künstlich wirkenden Licht nicht in die bisherigen Lampen passender Leuchtstoffröhren zu leben, zumindest des abends?
Das soll wohl so sein. Ein Lichtspektrum, welches uns vollkommen fremd ist, wird unsere Wahrnehmung verändern. Echte Spot-Lichter, die wenigstens einen Abglanz des Sonnenlichtes vermitteln können, wird es dann auch nicht mehr geben. Wie bedauerlich.

Und überhaupt: Wieviel bringt diese Maßnahme überhaupt? Wenn ein Haushalt damit seine CO2-Emissionen um 150 Kilogramm senken kann, hört sich das gut an. Wenn man aber die 30000 Kilogramm, die z.B. in Deutschland pro Jahr von den (3) Menschen eines Haushalts in die Luft geblasen werden, mit diesen 150 Kilogramm vergleicht, ist die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme höchst lächerlich.

Warum nicht die Warmwasserbereitung mit elektrischen Durchlauferhitzern verbieten? Ein Durchlauferhitzer verbraucht soviel Strom wie 400 (!!!) Glühbirnen a 60 Watt. Duschen die 3 Personen eines Haushalts nicht mehr je täglich 10 Minuten, sondern nur noch 5 Minuten, kann jeder pro Tag zwei 60W-Glühbirne 1000 Minuten, d.h., ca. 16 Stunden brennen lassen. Oder alternativ in diesem Haushalt etwa eine Tonne Kohlendioxid sparen. Aber ganz verbieten? Kalt Duschen? Wohl kaum, irgendwie sind wir doch alle Warmduscher.

Was ist denn die vollwertige energiesparende Alternative zur Glühbirne? Hochdruck-Gasentladungslampen -- z.B. in Beamern eingesetzt -- für 500 Euro pro Lampe? Leuchtdioden, die zum Ersatz eines 50-Watt-Spots 200 Euro inclusive Vorschaltgerät kosten? Oder vielleicht zurück zur biologisch dynamisch mit Rapsöl befeuerten Öllampe? Gutes Licht für Reiche oder gutes Gewissen bei permanentem Rapsölgeruch?

Warum immer verbieten? Erlauben, aber: Aufklären, aufklären, aufklären.
Liebe Politik-Berater, bringen Sie doch den Politikern die Grundlagen, sozusagen das ABC Energie bei. Liebe Lehrer, bringen Sie den Schülern das gleiche bei. Liebe Eltern, machen Sie sich kundig, bringen Sie es Ihren Kindern bei ... oder lassen Sie es sich von Ihnen beibringen.

So unsinnig der Vorschlag Herrn Söders von der CSU, die Erbschaftssteuer bei energieeinsparenden Investitionen in das "Erbgut" zu investieren, auch auf den ersten Blick erscheint: Der Mann hat verstanden, wo es noch etwas zu holen gibt. An Energieeinsparung und an Kohlendioxidemissions-Einsparungen. Hunderte Liter Heizöl und Tonnen CO2 pro Haushalt.

Oder Herr Töpfer, der eine CO2-Abgabe auf Sprit und die Abschaffung der KFZ-Steuer fordert. Ja, einige stöhnen: Schon wieder wird der Sprit teuer, der Tiefensee-Vorschlag ist besser. Nur: Was Tiefensee fordert, ist ein alljährlicher Ablaß-Handel, den Leute mit höheren Einkommen und größeren Autos auf der linken Arschbacke absitzen. Verhaltensänderung? Wieso, ich habe doch schon mit der KFZ-Steuer meine Schuldigkeit getan.

Man verzeihe mir die teilweise derbe Sprache. Aber ist es denn inzwischen wirklich so, daß Mücken aufgeblasen werden, während die Elefantenherde der echten Probleme lautlos im Hintergrund auf uns zu rennt?

Warum nicht ehrliche CO2-Abgaben auf Strom -- der Mechanismus ist doch schon da -- und dann soll jeder selbst entscheiden. Ob er 10 Stunden bei künstlichem Leuchtstofflampenlicht liest, um 2 Minuten länger duschen zu können oder ob er auf ein Auto verzichtet, 4 Tonnen CO2 einspart und sich das Lesen bei Glühlampenlicht "gönnt".

In meiner Wohnung leuchten 10 Energiesparlampen, 3 Glühlampen und 200 Leuchtdioden in friedlichster Koexistenz, mit verschiedenen Lichtqualitäten, Farben und Helligkeiten. Gleiche Chancen für alle und ein buntes Leben!