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2007-02-27
ENERGIEPOLITIK

Artikel: Strassenverkehr als Hauptverursacher des Klimawandels?

Michael Bockhorst

Hinweis zum Themenspezial Klimawandel und Energie auf www.energieinfo.de - 8 Seiten kompakte Information.

Der Straßenverkehr ist mitnichten der Hauptverursacher des Klimwandels. Mit einem Anteil von etwa 15 Prozent an den CO2-Emissionen -- darin inbegriffen der Privatverkehr, der Güterverkehr und die öffentlichen Verkehrsmittel -- ist nur zu einem Sechstel beteiligt.

Die aktuelle Diskussion um einen CO2-Aufschlag -- oder Nachlaß -- auf die Kraftfahrzeugsteuer zeigt, welche Blüten die politische Reaktion auf die Vorhersagen des IPCC-Berichtes treiben.

Die einzige sinnvolle Maßnahme ist es, den Kohlenstoff, der in Benzin, Erdgas oder Erdölprodukten enthalten ist, zu besteuern. Die Instrumente sind da: Der Emissionshandel. Und damit nicht jede Bürgerin, jeder Bürger eigene Zertifikate kaufen muß, könnte ja die Raffinerie Zertifikate kaufen. Diese würden nach dem Kohlenstoffanteil der von ihr verkauften Produkte gemessen und die Zertifikate würden dann durch die Einnahmen aus den Produktverkäufen gegenfinanziert.

Wenn man, wie von Verkehrsminister Tiefensee vorgeschlagen, jedoch nur den Privat-Pkw per Kfz-Steuer in seiner bauartbedingten Kohlendioxid-Emission belastet oder entlastet, schiesst man am Ziel weit vorbei. Einmal im Jahr den Abläs zahlen und dann viele Kilometer fahren? Je mehr man fährt, desto geringer wird die Kilometer-Preis für das Fahren? Diese Steuer würde ausschließlich den Autokauf in Richtung CO2-ärmerer Autos stimulieren. Das Verhalten, welches viel höhere Kohlendioxid-Einsparpotentiale bietet, könnte im Verbund mit emissionsärmeren Autos ein Vielfaches der Emissionsreduktion bieten: Daher, wie gesagt, CO2-Abgabe auf den Sprit, nicht auf das Fahrzeug. Und der Vorschlag von Herrn Töpfer, die den Sprit zu besteuern und Kfz-Steuer dann gleich ganz wegfallen zu lassen, ist wirklich attraktiv.

Würden alle Pkw durch solche, die nur noch die Hälfte des Sprits benötigen, ersetzt, würde die CO2-Emission auf die Hälfte sinken -- aber auch nur bei der Hälfte der Emissionen, die durch diese Fahrzeuggruppe verursacht werden. Macht etwa 3.5 Prozent Emissionsminderung, wenn 40 Millionen neue Autos gekauft wurden!

Und die dicken Brocken an Emissionsminderungen liegen im Bereich der Raumwärme für Gebäude sowie in der Stromerzeugung. Ein typisches Haus aus den 1970ern kann man ohne weiteres so isolieren, daß der Raumwärmebedarf auf 30 Prozent des bisherigen Wertes sinkt. Bei etwa 25 Prozent heutigem Anteil und einer durchschnittlichen Emissionsminderung auf 40 Prozent kämen hier 15 Prozent Emissionsminderung zusammen. Bei dem Ersatz der Hälfte aller Kohlekraftwerke in Deutschland durch Kernkraftwerke, Gas-Kraftwerke und Windkraft würden sich die Emissionen um weitere 20--30 Prozent reduzieren lassen, je nach Energiemix.

Die Diskussion um Autos und neuerdings auch Glühbirnen erscheint in diesem Licht eher als ein Innovations- und Kaufanreizprogramm für neue sparsame Autos und neue Leuchtstofflampen. Die Emissionsminderungs-Potentiale bei diesen beiden Feldern sind aber eher mager.