News/Artikel auf energieinfo.de
2007-07-06
KLIMA

Artikel: Nebelkerzen im Energie- und Klima-Dschungel

Viele Aussagen verschleiern die Fakten oder unterschlagen die Alternativen in dem Ringen um eine Erneuerung der Energie- und Klimapolitik sowie der Umsetzung derselben.

Michael Bockhorst

Aussage:
Kernenergie trägt nur zu 4 Prozent zur Primärenergie bei, sie ist in Sachen Klimaschutz ohne Bedeutung.

Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Ein Kernkraftwerk ersetzt im allgemeinen ein grundlastfähiges Kohlekraftwerk. Es kann nicht durch 5 000 Windräder ersetzt werden, obwohl diese die gleiche Energie erzeugen, aber eben nicht immer dann, wenn man sie braucht. Ein Kernkraftwerk kann aus dem gleichen Grund nicht durch ein Photovoltaik-Kraftwerk ersetzt werden. Biomasse zur Stromerzeugung kann zwar grundlastfähigen Strom erzeugen, aber der Ersatz eines einzigen Kernkraftwerks bedeutet einen Flächenbedarf von nahezu 9000 Quadratkilometern (siehe 1) ). Für ein Kraftwerk würden 8 Prozent der Ackerflächen in Beschlag genommen! Wenn Kernkraftwerke also durch eine langfristige Weiternutzung und bei einem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien sowie einer drastischen Verbesserung der Energieeffizienz 70 Prozent der Kohlekraftwerke überflüssig machen würden, könnten die Emissionen um 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid gesenkt werden.

Fazit: Das entspricht einer Senkung der deutschen Kohlendioxid-Emissionen um 20--25 Prozent! Trotz des geringen Anteils am Primärenergiebedarf kann Kernkraft, richtig eingesetzt, einen sehr grossen Anteil zum Klimaschutz leisten!


Aussage:
Kraft-Wärme-Kopplung kann den Kraftwerks-Wirkungsgrad von 45 auf über 90 Prozent verbessern

Grau ist alle Theorie: Wenn ein Abnehmer für die Wärme gefunden wird, ist diese Aussage fast richtig. Aber: In den meisten Fällen, gerade bei Großkraftwerken, sind Abwärmeaufkommen und die Nachfrage NICHT konform. Dadurch kann nur ein Teil der Abwärme sinnvoll genutzt werden. Dazu kommt, dass der Bau von Fernwärmenetzen teuer und energieaufwendig ist.

Fazit: Kraft-Wärme-Kopplung ist dann sinnvoll, wenn Abwärmeaufkommen und Nachfrage sinnvoll sind und eine möglichst hohe Zahl von Abnehmern sich mit einem relativ kleinen (=kostengünstigen) Fernwärmenetz bedienen läßt. Das ist aber eher selten der Fall. Alternativ ist eine gute Gebäudeisolation/Bauweise nach Passivhaus-Standard am Ende effektiver, weil eine zukünftige Energieversorgung auf erneuerbaren Energien fußen wird, die KEINE Abwärme produzieren. Dann wären die Investitionen für Kraftwärmekopplung hinfällig.


Aussage:
Erneuerbare haben Kohlendioxid in großen Mengen eingespart.

Richtig und falsch zugleich:
Erneuerbare Energien sind NICHT für die Senkung der CO2-Emissionen zuständig, bestenfalls für einige wenige Prozent. 90 Prozent der Minderungsmenge entfallen auf eine Veränderung des Brennstoffmixes, der von Braunkohle zu den wesentlich weniger emissionsträchtigen Brennstoffen Erdgas und Erdöl stattgefunden hat.
Erneuerbare Energien haben aber sehr wohl dazu beigetragen, daß die Steigerungen des Strombedarfs -- in den letzten 8 Jahren um etwa 13 Prozent -- nicht zu einer Erhöhung der CO2-Emissionen beigetragen haben, etwa weil sie durch Kohle- oder Gaskraftwerke emittiert worden wären.


1) Bedingungen:

  • Ziel ist 1 GW elektrische Leistung
  • Flächenertrag 25000 kWh Primärenergie pro Hektar bei nachhaltiger Bewirtschaftung (maximal etwa 50000 kWh PE pro Hektar)
  • 40 Prozent Wirkungsgrad des Biomasse-Kraftwerks