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2007-09-22
ENERGIERESSOURCEN

Kommentar: Energiepreise müssen steigen!

Warum regen sich alle auf, daß die Energiepreise steigen? Zum einen, weil sie tatsächlich steigen, zum anderen, weil darüber andauernd lamentiert wird. Dabei bleibt die Wahrnehmung für Realitäten oft auf der Strecke.

Michael Bockhorst

Es ist ein Naturgesetz, daß bei der Rangelei um knappe Ressourcen deren Wertschätzung immer stärker wird. Dies drückt sich in höheren Preisen aus. Denn Geld ist die Wertschätzung, die wir -- besonders in den industrialisierten Ländern -- austeilen. Alles wird in Geld bewertet, zunehmend werden Menschen mit Geld bewertet.

Die verfügbaren Pro-Kopf-Ressourcen an Energie und materiellen Rohstoffen werden zunehmend knapper.

Zum einen steigt der Energiebedarf. Einmal, weil die Zahl der Menschen steigt. Und Energie brauchen wir zum Leben, zum Überleben. Andererseits, weil wir Menschen zunehmend mehr Energie benötigen, auch hier besonders die Menschen in den industrialisierten Ländern.

Zum anderen sinkt das Aufkommen an verfügbarer Energie in absehbarer Zeit. Schon heute sind viele Ressourcen knapp. Aber wir können Erdöl nicht direkt in den Motoren oder Heizungen verbrennen. Es muss transportiert, in Raffinerien aufgearbeitet und verteilt werden.

Energie wird zunehmend ein knappes Gut, wir bewegen uns "Mit Vollgas in die Energiekrise" (siehe auch die Website zum gleichnamigen Buch des Autors dieses Artikels). Knappe Güter werden teuer. Bei Gold haben wir es akzeptiert, bei Öl müssen wir es jetzt akzeptieren, bei Wasser werden wir es bald akzeptieren müssen.

Die Realitäten sollten wir frühzeitig erkennen lernen. Erst dann können wir richtig darauf reagieren. Der Energiebedarf für Raumwärme beträgt in Deutschland etwa 30 Prozent des Gesamtbedarfs. Mit etwas Bescheidenheit beim Wohnraum, einer gut isolierten Gebäudehülle und vernünftigen Energieträgern wie Sonne, Erdgas oder Erdöl ließ sich dieser Posten des Energiebedarfs auf ein Drittel oder ein Fünftel reduzieren! Natürlich ist dies alleine im Privatwohnungsbereich ein Posten von vielleicht 800 Milliarden Euro, eine Zahl, die sich leicht durch die Anzahl der Bundesbürger teilen läßt. Über 20 Jahre verteilt ist dies eine Investition von 500 Euro pro Kopf und Jahr. Klingt immer noch viel. Aber bei den heutigen Heizkosten von vielleicht 300 Euro pro Kopf und Jahr, die dann auf 80 Euro pro Kopf und Jahr reduziert wären, wäre der Aufwand schon erträglich. Und eines ist sicher: Heizenergie wird in den nächsten 20 Jahren um ein Vielfaches steigen.

Energiepreise müssen steigen, aus naturgesetzlichen Gründen und aufgrund der ressourcenfressenden Verhaltensweise der Menschen. Energiepreise müssen auch steigen, damit wir Energie endlich mit dem Wert belegen, der ihr wirklich zukommt. Erst dann werden wir die Maßnahmen treffen, die notwendig sind, um Energie auch langfristig bezahlen zu können.

Nebenbei bemerkt noch der wichtigste Punkt: Erst teure Energie wird uns Menschen in eine Richtung lenken können, die einen nachhaltigen Umgang mit den Erdressourcen verfolgt. Billige Energie nach heutigen Standards würde hingegen jede Hoffnung auf ein langfristiges Überleben der Menschheit im heutigen Sinne zunichtemachen.