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2007-11-02
ENERGIERESSOURCEN

Artikel: Energie sparen ohne teure Investitionen -- ein Zukunftsmodell?

Immer dann, wenn es um das Energiesparen geht, werden Wärmedämmungen, 3-fach-Verglasungen und Wärmepumpen ausgepackt. Ist das der einzige Weg? Es scheint so, weil dies in den Medien immer wieder vorgetragen wird. Aber das kann sich nicht jeder leisten. Außerdem kann man zusätzlich zu energiesparenden Techniken auch einiges durch Kauf- und Nutzungsverhalten ausrichten!

Michael Bockhorst

Die extrem hohen Preissteigerungsraten für Energierohstoffe wie das Heizöl oder das Erdgas schlagen mehr oder weniger auf unsere Energiepreise durch. Am ehesten dort, wo geringe Abgaben auf Produkte erhoben werden. Heizöl ist daher stärker betroffen als beispielsweise Benzin. Und die steigenden Preise lassen es uns spüren, wo der Hase lang läuft.

Energiesparen wird schnell zum lukrativen Geschäft. Für diejenigen, die uns Geräte zum Energiesparen verkaufen. Ob dies Holzpellet-Heizungen oder Photovoltaik-Systeme sind. Extrem teure Systeme, die Energie nur auf eine andere Weise bereitstellen -- mit sparen hat dies nichts zu tun, wird aber gerne so verkauft.

Dagegen stehen verhaltensbedingte Maßnahmen zur Reduktion des Energiebedarfs. Diese amortisieren sich teilweise sehr schnell und lassen sich auch mit geringem Kaptialeinsatz realisieren.

Vorgebliches Energiesparen mit teurer Technik

Bei Holzpelletheizungen ist der Spareffekt stark zurückgegangen, weil Holzreste knapp geworden sind und damit Holz teuer erworben werden muß, um die Pellets herzustellen. Ist ist sogar möglich, daß der Wirbelsturm KYRILL den Anstieg des Holzpreises sogar noch gedämpft hat. Die umgestürzten Bäume mußten schnell verwertet werden, um Schädlingen wie dem Borkenkäfer die Nahrung zu entziehen.

Unangenehmer Nebeneffekt des Runs auf Holz: Wälder werden zunehmend zur Energieproduktion genutzt. Nicht nur in Deutschland für Deutschland, sondern weltweit für Deutschland. Holz für Energie steht aber in Konkurrenz zu Holz als Baumaterial. Baumaterial ist damit an den Ölpreis angekoppelt, genauso, wie es die Biomasse-Nutzung für Treibstoffe bereits geschafft hat. Um drei Ecken hat eine vermeintlich CO2-freie Energieform dramatische Nebenwirkungen, die man längst kennen konnte. Aber Profit geht vor, auch bei vorgeblich grünen und sozial korrekten Projekten.
Holz als Heizenergieträger ist aber nicht generell zu verdammen: Wenn z.B. in Bayern, Österreich, der Schweiz oder Norwegen Holz für Baumaterial genutzt wird und Restholz anfällt, ist es sinnvoll, dieses regional energetisch zu verwerten! Es kommt also auf das Wie an. Hier läßt sich auch in der Bilanz Energie mit Holz sparen.

Photovoltaik mit Netzeinspeisung ist ein interessantes Anlageprojekt, um staatliche Subventionen zu erwirtschaften. Mehr nicht.
Der einzige direkte Sinn solcher Projekte ist das Ausrollen einer Technologie in einer kritischen Masse, ab der sinnvoll Erfahrungen für die Qualität einer Energienutzungs-Form gewonnen werden können. Heißt: Viele Solarmodule und viele Stromwandler gleich viel Statistik. Viel Statistik gleich gute Aussage über die wirkliche Zukunftsfähigkeit einer Technologie.
Die Subventionen sind aber auch hindernd. Durch garantierte Einnahmen auf der Investorenseite gibt es keinen Druck auf die Solarmodul-Hersteller, neue kostengünstigere Technologien zu entwickeln. Die Preise richten sich nach dem Niveau, was durch die Subventionen und den Zahlungswillen der Investoren vorgegeben wird.
In diesem Fall sind Investoren zahlungskräftige Privatleute, die ein Haus besitzen. Die Subventionen werden über die allgemeinen Stromtarife von allen Stromnutzern bezahlt. Also auch denjenigen, die sich ein Haus -- aus welchen Gründen auch immer -- einfach nicht leisten können. Eine Umverteilung von unten nach oben, auch um drei Ecken.

Echtes Sparen mit teurer Technik

Hier soll nur ein Beispiel erwähnt werden: Die Wärmedämmung von Gebäuden. Dazu können unterschiedliche Maßnahmen getroffen werden, aber alle haben eines gemeinsan. Sie reduzieren den Energieverbrauch unmittelbar, sobald sie realisiert sind.

Natürlich kann man Wände durch eine Vorwand-Isolation dämmen, aber diese Maßnahme ist relativ aufwendig, teuer und muß sorgfältig durchgeführt werden, um Schäden an der Bausubstanz zu vermeiden. Sind aber die einfach verglasten Fenster so alt, daß sie eh ersetzt werden müssen, ist dies die sinnvolle erste Maßnahme. Alleine dadurch kann der Energiebedarf schnell um 20-30 Prozent gesenkt werden, denn Einfachverglasungen sind richtige Energielecks. Die Wände können später folgen, wenn genug Geld angespart wurde oder man genug Urlaub zusammengespart hat, um Eigenleistungen erbringen zu können.

Alle diese Maßnahmen sparen wirklich Energie, sie sind keine Verlagerung auf eine -- oft vermeintlich -- bessere Technologie. Aber auch hier spielt Geld eine wesentliche Rolle. Geld ist aber meist nicht im Überfluß vorhanden!

Energiesparen durch effizientes Verhalten

Es muß nicht immer die "Technikkeule" sein, mit der unsere Problem erschlagen werden. Oft reicht es aus, sich die beste Option aus verschiedenen Möglichkeiten auszusuchen. Ein Beispiel sei die persönliche Mobilität. Dazu gibt es auf dieser Website auch einen Mobilitäts-Rechner -- spielen Sie mit verschiedenen Werten, dann können Sie sehen, wie die unterschiedlichen Verkehrsmittel sich verhalten.

Der Fußweg zum 500 Meter entfernten Bäcker ist das Optimum. Der Weg in die 5 Kilometer entfernte Stadt wird effizient mit dem Fahrrad zurückgelegt, aber auch gerne mit Bus oder Straßenbahn. Das Auto ist für 5 Kilometer sinnvoll, wenn man etwas zu transportieren hat oder kleine Kinder mitnimmt. Von Dorf zu Dorf ist bei 20 Kilometern das Auto oft das einzige praktikable Fahrzeug. Jede Fahrt hat also, abhängig von Entfernung, Zweck, Wetter, Anzahl der Reisenden, ihre optimalen Werkzeuge.

Ein weiteres Beispiel -- es wirkt zunächst etwas nebensächlich -- ist die Weihnachtsbeleuchtung. Gerne wird ein Haus mit 5 oder 10 Lichterketten geschmückt. Bei 30 Watt pro konventioneller Lichterkette mit Glühlampen und 1000 Stunden Brenndauer kommen so 150 bis 300 Kilowattstunden Strom zusammen, also Kosten von 30 bis 60 Euro pro Jahr. Tauscht man diese Lichterketten durch mit Leuchtdioden (LED) ausgestattete Varianten aus, sinken Stromverbrauch und Kosten auf ein Zehntel! LED halten ein Leben lang, die Mehrinvestitionen im Vergleich zur Lichterketten mit Glühbirnchen sind nach 2 oder 3 Jahren amortisiert! Um die Nebensache Weihnachtsbeleuchtung mit dem Haushaltsstromverbrauch in Verbindung zu setzen: In dem oben genannten Beispiel machen sie einen Verbrauch von etwa 5 bis 10 Prozent aus!

Drittes und letztes Beispiel: Notebook statt Desktop. Ein einfaches und etwas älteres Notebook braucht 20--30 Watt Strom und ist schnell auf Standby mit 1 Watt Verbrauch geschaltet. Ein normal ausgestatteter spieletauglicher PC, also der heutige Standard, braucht mit Monitor etwa 150 Watt und wird nicht so schnell in den Standby-Modus versetzt. Das Notebook ist bei gleicher Nutzungsweise 5--7-mal sparsamer! Das Notebook wird aber in Arbeitspausen öfter abgeschaltet, die Laufzeit reduziert sich damit auf die Hälfte -- in diesem Vergleich kommt das Notebook mit einem Zehntel des Stroms aus! Was dies über das Jahr gerechnet bedeutet, soll noch erwähnt werden: Ein Desktop braucht bei täglich 5 Stunden Laufzeit über das Jahr gerechnet knapp 300 Kilowattstunden, macht 60 Euro gegenüber 6 Euro Stromkosten mit dem Desktop!

Kauf-Verhalten und Nutzungsverhalten spielen also bei überschaubaren Mehrinvestitionen und schnellen Amortisationszeiten eine nennenswerte Rolle.

Tip:
Nutzen Sie die Energiespartips, Energiesparinfos und Energierechner auf dieser Website! Energie Sparen ist nicht nur knauserig, sondern kann Spaß machen.

Quelle:
AB Europositron (ENGLISH)