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2007-11-03
ENERGIETECHNIK

Artikel: Algen und andere Arten, Kohlendioxid loszuwerden

Das Entfernen von Kohlendioxid aus den Abgasen von Kohlekraftwerken kommt immer stärker in Mode. Besonders in Deutschland und den USA, weil beide Staaten sehr wesentlich auf heimische Energieträger setzen: Stein- und Braunkohle.
Nur eine Lösung des CO2-Problems kann diesen an sich schmutzigen Energieträger salonfähig machen.

Michael Bockhorst

Chancen der CO2-Bindung

Kann man das Kohlendioxid aus den Abgasen von Kohlekraftwerken entfernen, wäre die größte Schwachstelle beseitigt: Ihre Klimaschädlichkeit. Allerdings gibt es eine Reihe von Kriterien, die dann erfüllt sein müssen.

Die CO2-Bindung darf nicht zu rohstoff- und energieaufwendig sein, nur so kann sie ökologisch und wirtschaftlich betrieben werden. Die Langzeitstabilität der Endlagerung des Kohlendioxids muß gewährleistet sein, und zwar über Jahrtausende. Die Bearbeitung der beiden Anforderungs-Komplexe durch Forschung und Entwicklung steckt aber derzeit noch in den Kinderschuhen.

Die einzige heute absehbar sichere Technologie wäre das Überführen des Kohlendioxid-Gases in einen mineralischen verwitterungsfesten Zustand. Erste Ideen zu dieser Methode stammen aus den USA und sind schon 10 oder 20 Jahre alt. Eine Demonstrationsanlage existiert derzeit noch nicht.

Die Idee, Algen zum Einbinden des CO2 einzusetzen und nachfolgend Kraftstoffe aus den Algen herzustellen, ist gut. Aber: In der Bilanz entstünde wiederum Kohlendioxid, welches in die Atmosphäre freigesetzt wird.

Die Risiken der CO2-Bindung

Auf der einen Seite gibt es handfeste Risiken, die darin bestehen, daß das Kohlendioxid aus den Endlagerstätten in relativ kurzer Zeit freigesetzt würde. Dadurch könnten akute Gefahren der näheren Umgebung durch Erstickung oder aber globale Gefahren durch plötzliche Anstiege der atmosphärischen Kohlendioxid-Konzentration entstehen.

Auf der anderen Seite gibt es ein viel fataleres Risiko, welches indirekt besteht: Eine zunächst vielversprechende Methode, die eh schon schmutzige Kohle sauber zu machen, könnte die notwendigen Entwicklungen hin zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung konterkarieren. Dazu zählen entweder Methoden zur Stromspeicherung, die Photovoltaik grundlastfähig machen könnten, oder Verfahren, die aus Sonnenlicht direkt nutzbare Energieträger wie Methan, Methanol oder zur Not auch Wasserstoff herstellen.

Kraftwerksunabhängige CO2-Bindung

Die Entwicklung von Technologien, die Kohlendioxid direkt aus der Atmosphäre auf wirtschaftliche Weise herausziehen können, eröffnet vollkommen neue Perspektiven.

Solche Systeme könnten direkt dort aufgebaut werden, wo Kohlendioxid gut gespeichert werden kann. Am besten, wie bereits erwähnt, in mineralischer Form. Die krampfhafte Suche nach CO2-Speichern in der Nähe von Kohlekraftwerken wäre nicht mehr notwendig. Bessere Endlagertechnik bedeutet höhere Sicherheit des Verfahrens.

Aber es gibt noch eine weitere viel interessantere Anwendung: Die bereits mit Kohlendioxid überfrachtete Atmosphäre könnte auf diesem Weg auch wieder "gereinigt" werden. Die "Sünden" der Vergangenheit wären zu heilen, und zwar im Sinne einer konkreten Behebung der Ursachen. Eine Warnung aber auch hier: Wir kennen das Klima-System unseres Planeten nur an der Oberfläche. Das Herumbasteln an Umweltparametern, etwa der Kohlendioxid-Konzentration der Erdatmosphäre, darf nur sehr vorsichtig und unter Kontrolle aller weiteren Parameter wie globale Mitteltemperatur, CO2-Konzentration in den Weltmeeren, etc. geschehen.

Ein System zur Kohlendioxid-Extraktion aus der Erdatmosphäre wäre ein weiterer und der erste globale Schritt zum "Terraforming", einer gezielten Beeinflussung unseres Planeten. Die bisherigen Auswirkungen der Menschheit waren hingegen unbeabsichtigtes Terraforming, ungezielt, hin zu einem weniger lebensfreundlichen Planeten.

Quellen:
N/A