News/Artikel auf energieinfo.de
2008-01-25
ENERGIERESSOURCEN

Kommentar: Die aufkeimende Energiekrise -- die Schlinge zieht sich zusammen

Michael Bockhorst

Wen treffen die zunehmenden Energiekrisen? Nur Kuba oder Argentinien? Jetzt kommen weitere Staaten hinzu: Südafrika, Namibia, Tadschikistan! Wer kommt als nächstes an die Reihe? Sind wir nicht auch in Deutschland massiv von der Energiekrise betroffen?

Der Klassiker unter den Energiekrisen: Hoher Ölpreis

Allen, die älter als 40 Jahre sind, könnte die Energiekrise Anfang der 1970er Jahre noch ein Begriff sein. Eher unter dem Aspekt der zu begeh- und bespielbaren großen Autostraßen an einigen Sonntagen, den sogenannten autofreien Sonntagen.

Diese Energiekrise war geprägt durch einen spontan und sehr massiv ansteigenden Ölpreis. Nicht, daß Öl wirklich knapp gewesen wäre. Öl wurde plötzlich schwer bezahlbar, weil die Haushaltskasse nicht beliebig viel Geld hergab.

Auch heute noch sind die Auswirkungen erfahrbar. Häuser vor 1970 waren so gebaut, daß ihr Energiebedarf bei 15--20 Litern pro Quadratmeter und Jahr lag. Bei 120 Qudratmetern sind heute für ein Jahr bis zu 2400 Liter Öl nötig, was immerhin Kosten von 1500 Euro entspricht. Oder 125 Euro pro Monat alleine für den Brennstoff. Je mehr Öl(preis)krisen unsere Geschichte getroffen -- oder gesegnet -- haben, desto besser wurde die Isolation der Gebäude ausgelegt. Doppelverglasung und dicke Außenwände bis hin zu Wärmeschutz-Dreifachverglasungen, Vakuumisolationspaneelen, Systemen zur Wärmerückgewinnung und hochoptimierten Wärmeschutzverbünden. Dazu kommen neue Brennstoffe wie Holzpellets und Solarkollektoren, die Wärme unabhängig von Öleinfuhren bereitstellen.

Energiekrisen heute -- weit weg?

Noch scheint eine weitere Energiekrise weit weg zu sein. So etwas gibt es in Südamerika und Afrika, ja auch in den ehemaligen Teilstaaten der verflossenen Sowjetunion. Wir in Deutschland sind so sparsam mit Energie, daß uns keine Energiekrise erwartet.

Energiekrisen finden dort statt, wo die Menschen nicht auf Windenergie, Solarenergie und Biosprit umgestellt haben. Warum die das auch nicht tun? Es ist doch alles so einfach. Und man kann sich richtig gut dabei fühlen.

Die Energiekrise ist real -- sie ist nur selten direkt sichtbar

Schon heute befindet sich auch Deutschland in einer tiefen Energiekrise. Energie ist knapp geworden. Nicht, daß sie nicht verfügbar wäre. Sie ist nur sehr teuer geworden. Allerdings auch die Energie, die in Produkten unerkannt enthalten ist, die sogenannte Graue Energie.

Alle Produkte, die wir täglich nutzen, sind unter Energieaufwand hergestellt worden, auch ein unscheinbarer Apfel, der ja eigentlich von selbst wächst. Sozusagen mit Solarenergie. Selten machen wir uns Gedanken darüber, wie ein moderner zivilisierter Apfel hergestellt wurde: Landwirte, die auf Masse produzieren (müssen!), um überleben zu können, setzen Düngemittel ein, verwenden Mittel und Vorrichtungen zur Schädlingsbekämpfung, bewässern ihre Bäume bei Bedarf. Herstellung von Landmaschinen und Hilfsmitteln vom Traktor bis hin zum Markenaufkleber für das Endprodukt verschlingen Energie und Erdöl für die Herstellung von Verpackungen und Chemikalien. Nicht zu vergessen die Energieaufwendungen für das Marketing!

Der moderne High-Tech Apfel an sich hat seine Unschuld verloren. Die Unschuld vom Lande, die von selbst am Baum wächst und vielleicht von einem hungrigen Wanderer mit Genuß und Freude verzehrt wird, ist heute nur noch eine Illusion. Und der Apfel hat Konkurrenz bekommen: Den Raps. Sein Öl verschwindet jedoch nicht in Bratpfannen und menschlichen Mägen, sondern es wird schlichtweg verbrannt. Streuobstwiesen mit schmackhaftem Obst werden zu flächendeckenden Rapsfeldern, deren Produkte zu Zwecken der Mobilität einfach verbrannt werden!

Der Fall Deutschland

Wie sieht unsere Energiekrise aus? Zu spüren bekommen sie diejenigen in unserer Gesellschaft als erste, deren Monatsetat kaum zur Deckung der Lebenshaltungskosten reicht. Hartz-IV-Empfänger, Studierende, und viele Menschen mit Löhnen von einigen Euro pro Stunde uninteressanter, harter und teilweise gefährlicher Arbeit ... wenn man dies Arbeit nennen kann.

Steigende Heizkosten und Lebensmittelpreise führen bei hohen Preisen dazu, daß viele Menschen sich schlechter ernähren und die Heizung in ihren Wohnungen herunterdrehen müssen. Das Auto, was für das Erreichen des Arbeitsplatzes dringend benötigt wird, läßt sich aufgrund der Treibstoffpreise kaum bezahlen.

Und was ziemlich schlimm ist: Die Menschen, die eh schon kaum Geld für das Nötige und Wichtige haben, haben keine Chance an energiesparende Wohnungen und Autos heranzukommen! Selbst eine hochwertige Energiesparlampe für 10 Euro ist eine Ausgabe, die schwerfällt. So können diese Menschen noch nicht einmal so ohne weiteres der Kostenfalle steigender Energiepreise entrinnen.

Noch schlimmer ist aber, daß die Nahrungsmittelpreise durch den Biomasse-Wahn, der seit vor Jahren in Deutschland, Brasilien, Mexiko und den USA ausgebrochen ist, an die steigenden Ölpreise angekoppelt wurden! Ein monetärer Festschmaus für die Lebenmittelindustrie, denn steigende Ölpreise bedeuten steigende Attraktivität für Biotreibstoffe und damit knappe Flächen für den Anbau hochwertiger Nahrungsmittel. Von grünen Parteien, Organisationen propagiert und mit staatlichen Fördermitteln wurde diese Problematik aufgepeppelt und ausgebaut.

Da nützt auch kein Stromtarif für finanzschwache Haushalt und kein Ökosiegel für Palmöl aus Indonesien, auch wenn unser Umweltminister Sigmar Gabriel dies verkündet und vielleicht sogar glaubt. Da hilft nur noch eine Energetische Revolution, die in unseren Köpfen und mit unseren Händen stattfinden muß.

Wenn wir dies nicht schaffen, rasen wir weiterhin Mit Vollgas in die Energiekrise .... Ohne Bremse, mit defekter Lenkung, ohne Gurt und ohne Airbag!