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2008-04-04
ENERGIEPOLITIK

Artikel: Biomasse: Vorteil, Nachteile und Zukunftsoptionen

Michael Bockhorst

Biomasse wurde noch vor wenigen Jahren als der Ausweg aus der Energiekrise angesehen: kohlendioxid-neutral, reichlich verfügbar und nachhaltig nutzbar. Heute ist die Verordnung zur Beimischung von E-10 (Ethanol) zu Benzin und B-5 (Biodiesel) zu Diesel vom Umweltminister Sigmar Gabriel gekippt worden. Die problematische Rolle der Biomasse als Energieträger wird endlich sichtbar, obwohl die Fakten schon lange auf dem Tisch liegen.

Biomasse ist gut

Biomasse ist ein Naturprodukt, welches in Kreisläufen genutzt werden kann. Dabei werden in der Bilanz zunächst keine weiteren Stoffe freigesetzt. Alle Stoffe, die in dem Kreislauf genutzt werden, sind natürliche Stoffe, das System Erde kennt sie.

Insofern ist Biomasse in Form von Nahrung, Bioenergieträgern oder nachwachsenden Rohstoffen ein nahezu perfektes Produkt.

Zu viel Biomasse-Produktion birgt Probleme

Die Leistungsfähigkeit der Biomasseproduktion ist auf unserem Planeten beschränkt. Schlie"lich haben wir nur eine begrenzte Fläche, auf der der Anbau von Nutzpflanzen überhaupt möglich ist. Und diese Flächen reichen bei weitem nicht aus, um den Bedarf von Nahrung, Bioenergien und Biomaterialien zu decken: Der heutige Bedarf an diesen Rohstoffen ist viel zu hoch und er wird auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinaus weiter steigen.

Neben diesem Ressourcenproblem in globaler Dimension gibt es auch eine Ungleichverteilung von finanziellen und landwirtschaftlichen Ressourcen. Mit hoher Kaufkraft können hochindustrialisierte Staaten die Energiepflanzen, die oft auch Nahrungspflanzen sind oder entsprechende Anbauflächen belegen, weniger finanzkräftigen Ländern abkaufen.

Unangenehme Kopplungen

Die Herstellung von Bioenergie wird immer lukrativer, je höher der Ölpreis steigt. Und daß der Ölpreis steigt, ist sicher.

Besonders Pflanzen für Biokraftstoffe werden zunehmend auf Landwirtschaftsflächen für den Nahrungsanbau oder auf neu gerodeten Waldflächen angebaut. Diese Flächen sind nicht mehr für die Produktion anderer biogener Rohstoffe wie Nahrung oder materielle Ressourcen, etwa Bauholz, verfügbar.

Landwirte produzieren nun Energie auf ehemaligen Flächen für Nahrungspflanzen, weil sie sichere und relativ hohe Erträge bietet.
Außerdem werden Landflächen, die bisher bewaldet waren, der Nutzung als Anbauflächen für Biokraftstoffe zugeführt.

Biokraftstoffe und genauso Biogas haben dazu noch einen erheblichen Vorteil gegenüber frischen Nahrungsmitteln: Sie sind ohne Aufwand konservierbar. Damit verringern sich die Verluste durch die Lagerung.

Biomasse im Vergleich -- Zukunftsoptionen

Die folgende Grafik zeigt den Ertrag verschiedener Formen der Energiegewinnung bezogen auf die Fläche. Die Angaben besitzen die Einheit Kilowattstunden pro Quadratmeter. Zur Umrechnung in handliche Einheiten: 10 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr entsprechen ungefähr dem Energiegewinn von 1 Liter Benzin/Diesel pro Quadratmeter und Jahr.

An dieser Grafik sieht man deutlich, daß nahezu jede andere Art der Energiegewinnung deutlich besser abschneidet als die Biomasse.

Der einzige aber derzeit auch herausragende Vorteil ist die Tatsache, daß sich Energieprodukte aus Biomasse, also z.B. Ethanol, Biogas oder Biodiesel, auf einfache Art speichern und lagern lassen. Ganz im Gegensatz zur Windenergie oder Photovoltaik, die zwar sehr hohe auf die Fläche bezogene Energieerträge ermöglichen, aber deren Strom verbraucht werden muß, wenn er erzeugt wird.

Diese Situation läßt nur einen Folgerung zu: Sonnenenergie ist die Zukunft, aber die heutigen Wandlersysteme Solarzelle und Windrad müssen durch eine Stromspeicherung ergänzt werden oder wir müssen eine Möglichkeit finden, chemische Energieträger wie Methan, Ethanol oder Propan direkt aus Wasser, Kohlendioxid und Sonnenlicht herzustellen.

Es bleibt zu hoffen, daß die Politik, die Wirtschaftsunternehmen und die Bürger erkennen, daß auf diesem Bereich Arbeit geleistet werden muß. Viel Arbeit!