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2008-05-24
ENERGIETECHNIK

Artikel: Warum Strom immer bedeutsamer wird

Vor 5 Jahren noch war Strom Tabu für die Raumbeheizung. Strom für Mobiltät: Ja, aber nicht für den Individualverkehr. Hohe Ölpreise und geschicktes Energiemanagement stärken den Strom als Universal-Energieträger.

Michael Bockhorst

Wärme aus Strom

Was ist teurer für das Heizen: Strom oder Heizöl? Natürlich Strom. Hieß es noch vor wenigen Jahren. Aber bei den heutigen Heizölpreisen von knapp 1 Euro pro Liter ist der Unterschied nur noch gering. 1 Liter Heizöl enthält etwa 10 Kilowattstunden chemischer Energie, von denen nach Abzug der Verluste etwa 7 Kilowattstunden Wärmeenergie in den Räumen ankommen. Benutzt man Strom direkt zum Heizen, muß man dafür 7 Kilowattstunden veranschlagen, die bei einem Arbeitspreis von 17 Cent pro Kilowattstunde 1,20 Euro kosten.

Berücksichtigt man dann noch den Aufwand einer Ölheizung -- Ölvorratsraum mit Tank(s), die Heizanlage, den Schornstein, die Heizungsleitungen und die Heizkörper -- sowie die zum Betrieb notwendigen Wartungsarbeiten, sieht die Bilanz noch schlechter aus. Denn Elektroheizungen sind im Vergleich dazu spottbillig und lassen sich viel leichter raumbezogen regulieren. Gerade in der Übergangszeit ist das elektrische Heizen viel billiger als eine Ölheizung.

Verbindet man nun noch die Elektroheizung mit einem energiesparenden Haus, sieht ihre Bilanz nochmals besser aus. Denn die einmaligen Ausgaben für die Heizanlage, die bei Elektroheizungen unschlagbar gering sind, reduzieren die Gesamtbetriebskosten noch drastischer, weil ja auch die Stromkosten geringer sind. Kombiniert mit einer sinnvoll dimensionierten Wärmepumpe kann der Stromeinsatz noch einmal verringert werden -- aber bei deutlich höheren Kosten für die teurere Infrastruktur.

Geht man von einem mit erträglichem Mehraufwand (an Arbeit, Material und Kosten) gestaltbaren 3-Liter-Haus mit 120 Quadratmetern aus, wird Strom wirklich interessant. Als 3-Liter-Haus wird ein Haus bezeichnet, welches sich mit 3 Litern Heizöl pro Quadratmeter und Jahr beheizen läßt. Bei 120 Quadratmetern bedeutet dies eine notwendige Ölmenge von 360 Litern oder 3600 Kilowattstunden Energie des Öls. Diese Menge Öl würde bei einer Einzellieferung etwa 400 Euro kosten. Die zum Ersatz notwendigen etwa 3000 Kilowattstunden Strom kosteten ca. 510 Euro. Allerdings liegt die Gesamtinvestition für eine Ölheiz-Anlage inklusive aller Installationen bei etwa 20000 Euro, während die Elektroheizung gerade einmal 5000 Euro kosten dürfte. Weiterhin kommen Wartungskosten von einigen hundert Euro für die Ölheizung dazu.

Die Bedeutung der hohen Ölpreise, die sich ja aufgrund des für uns günstigen Dollarkurses nur abgemildert auswirken, ist so hoch, daß sich bisherige Paradigmen der Hausausstattung vollkommen ändern.

Autos werden elektrisiert

Die hohen Ölpreise führen auch dazu, daß reine Elektrofahrzeug-Konzepte immer mehr an Attraktivität gewinnen. Sei es der amerikanische Tesla-Roadster, der norwegische Think oder der kalifornische Aptera -- diese Fahrzeuge sind stehen kurz vor der Markteinführung, wobei besonders der Think den Grundstein für ein Massenfahrzeug werden könnte. Auch das Loremo-Projekt, aus dem ein gebrauchsfähiges 2-Liter-Auto hervorgehen soll, denkt um: In Richtung E-Loremo, wobei das E für Elektro steht.

Und auch hier zwingen die hohen Ölpreise zu mehr Verbrauchsökonomie der Fahrzeuge. Wenn man Fahrzeuge an Größe, Gewicht und Luftwiderstand abspeckt, damit sie auf sinnvolle Verbräuche von wenigen Litern pro 100 Kilometern kommen, kann man auch direkt einen Akku einbauen. Bei 1.5 Litern pro 100 Kilometern und einer Reichweite von 400 Kilometern spricht man von 60 Kilowattstunden chemischer Energie, die mit dem Motor in etwa 12 Kilowattstunden Antriebsenergie umgewandelt werden. Die kann man aber auch in einem 100 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Batterien speichern, dessen elektrische Energie mit etwa 90 Prozent in Antriebsenergie umgewandelt wird.

Zwar ist der Akku sehr teuer, aber bei den hohen Ölpreisen in der Gesamtbilanz bald schon zu gleichen Kosten zu betreiben.

Strom im Gesamtkonzept

Elektrischer Strom hat einen ganz entscheidenden Vorteil: Er kommt aus den verschiedensten Quellen. Die Grundlast wird mit Kohle-, Kern- und GuD-Kraftwerken bereitgestellt. Dazu kommen die hochvariablen Quellen wie die Windenergie und Photovoltaik.

Öl ist nahezu ohne Alternative, wenn man von der hochproblematischen Biomasse zur Herstellung von Treibstoffen und anderen Energieträgern absieht. Außerdem ist Öl ein wertvoller chemischer Rohstoff, aus dem eine reichhaltige Palette von Grundstoffen und Produkten hergestellt wird -- es ist viel zu Schade zum Verbrennen!

Aber auch Strom hat einen ganz entscheidenden Nachteil, nämlich die Tatsache, daß er heute noch direkt verbraucht werden muß: Strom kann in heutigen Großnetzen nur in geringen Mengen gespeichert werden, und zwar in sogenannten Pumpspeicherwerken, die aber nicht als Strompuffer für den Langzeitausgleich dienen, sondern für das Abfangen von Lastspitzen für wenige Minuten.

Beide Stromanwendungen, die Hausheizung und der Betrieb von Elektrofahrzeugen, könnten in Zukunft diese Speicherrolle übernehmen. Denn was spricht dagegen, daß Wärmespeicher in Häusern und Lithium-Ionen-Batterien in Autos den Stromüberschuß aus der Windkraft und der Photovoltaik aufnehmen und sinnvollen Zwecken zuführen? Nichts!

Warum soll der Autobesitzer nicht Strom unterhalb eines gewissen Marktpreises -- an einem sehr sonnigen und windigen Tag -- kaufen und während einer Flaute und bedecktem Wetter wieder verkaufen? Statt mit dem Auto werden Fahrten mit dem Fahrrad erledigt und eben einmal 5 oder 10 Euro verdient!

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich solche Konzepte durchsetzen werden. Und des Willens, sie wirklich umzusetzen. Aber noch ist genug Zeit vorhanden und der Wille wird sich, unterstützt durch die hohen Preise, ebenfalls bilden!