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2008-06-29
ENERGIETECHNIK

Kommentar: Das Wort Energiekrise ist nicht mehr tabu!

Nach einigen Jahrzehnten der äußerlichen Ruhe darf ein Wort offensichtlich wieder genannte werden: Das Wort Energiekrise. Es wird auch langsam Zeit, daß man sich wieder mit diesem Wort und vor allem mit dem, was dahinter steht, beschäftigt!

Michael Bockhorst

Bis vor einem Jahr stand das Wort Energiekrise hauptsächlich für die Krisen Anfang der 1970er und 1980er Jahre, die aber politische Ursachen hatten. Die erste Energiekrise war denn auch vielmehr eine Energiepreiskrise.

Nun geraten wir aber in eine Energiekrise, die eine neue Dimension besitzt. Die neue Energiekrise des beginnenden 21. Jahrhunderts ist eine strukturelle Energiekrise, die tatsächlich weniger von den vorhandenen Ressourcen, die unter der Erde lagern und von der Sonne eingestrahlt werden, abhängt. Sie ist vielmehr dadurch bedingt, daß wir es nicht schaffen, an diese Ressourcen heranzukommen.

Erdöl: Hier mangelt es zum einen an den Förderkapazitäten. Einerseits ist die Infrastruktur relativ teuer, besonders dann, wenn die Ölfelder klein sind, aber dennoch die ganze Maschinerie aufgefahren werden muß, um an das Öl heranzukommen. Andererseits sind die Weiterverarbeitungskapazitäten derzeit recht knapp. Bei den hohen Ölpreisen von derzeit etwa 140 Dollar pro Barrel sind viele Investitionen jetzt zwar schon lohnende, aber der technische Aufbau der Infrastruktur braucht Jahre. Und wer weiß, wo dann der Ölpreis steht und ob Öl unter dem Druck der hohen Preise nicht doch durch andere Energieträger abgelöst wird. Für das Erdgas gilt übrigens ähnliches!

Kohle: Ressourcen sind da, fördern könnte man sie auch ohne Probleme. Aber sie läßt sich nicht in einem Auto als Sprit verfeuern. Jedenfalls nicht ohne den Umweg über die Kohleverflüssigung. Auch hier gilt: Viel Aufwand, hohe Investitionen, hoher Zeitbedarf, unklare Zukunftsaussichten für Investitionen, die auf einen Zeitraum von ca. 30-40 Jahren angelegt sind. Außerdem würde der Einsatz von einer noch größeren Menge Kohle die Kohlendioxid-Emissionen weiter erhöhen. Alleine der Verdacht, daß die menschlichen CO2-Emissionen den Klimawandel auslösen oder zumindest unterstützen, sollte ein Grund sein, die Kohle in der Erde zu lassen!

Die Sonne: Die Sonne strahlt unermeßliche Energiemengen auf unseren Planeten ein. Mit der Photovoltaik könnten wir heute schon den Energiebedarf - auf heutigem Niveau -- problemlos decken. In Deutschland würden Dächer, Wände, Plätze und die Straßenflächen vollkommen ausreichen. Was fehlt: Eine Stromspeicher-Technik, die wirtschaftlich und vor allem überhaupt machbar ist. Dabei könnten Batterien alle heutigen Probleme erschlagen. Im Stromnetz würden sie Angebot und Nachfrage ausgleichen und in Fahrzeugen die heutigen Treibstoffe ersetzen.

Nun, Öl, Gas und Kohle funktionieren nicht. Die Sonne können wir nicht sinnvoll anzapfen. Bleibt da noch die Kernenergie? Neben den üblichen Risiken, besonders durch den Atommüll, sind auch hier die Energieressourcen begrenzt. Und nuklear betriebene Autos wird es aus naturgesetzlichen Gründen mit der heutigen Kerntechnologie auch nicht geben.

Wir bewegen uns also tatsächlich mit Vollgas in eine dramatische Energiekrise, denn nicht nur die heutige Versorgung ist schwer zu decken, sondern den Energiebedarf wird weiter steigen: Immer mehr Menschen bewohnen unseren Planeten und jedes Individuum will mehr Energie für sich benutzen können.

Aus der Energiekrise kommen wir nur heraus, wenn wir es schaffen,

  • weniger Nutzenergie in Anspruch zu nehmen
  • Primärenergie und Endenergie mit (viel) höherer Effizienz zu nutzen
  • und die komplementären Systeme zu den erneuerbaren Energien zu finden, die einen einfachen Namen haben: Batterien für Sonnen- und Windstrom!
Immerhin darf das Wort offensichtlich in der Presse wieder genannt werden. Dies ist gleichbedeutend damit, daß ein Erkenntnisprozeß in Gang kommt.

McCain ist in diesem Erkenntnisprozeß schon einen Schritt weiter: Er hat einen Preis für Batterien ausgelobt, die Fahrzeuge unabhängig vom Öl machen könnten. Ein richtig, weiser Schritt! Bei 300 Millionen Dollar Preisgeld sollte doch ein Anreiz bestehen, in dieser Richtung erfolgreich zu forschen. Die Höhe des Preisgeldes spricht zudem Bände: Es soll wohl schnell gehen. McCain hat die Energiekrise, in die wir rasen, offensichtlich akzeptiert!