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2009-03-09
ENERGIERESSOURCEN

Energiekrise und Wirtschaftskrise -- zwei Seiten einer Medaille?

Michael Bockhorst

Was ist eine Wirtschaftskrise? Meist tritt sie dann auf, wenn Produkte und Dienstleistungen nicht mehr in der gewohnten Menge abgenommen werden. Dahinter steckt viel Psychologie: Schon lange, bevor ein bedrohlicher Absatzrückgang stattfindet, wird er erwartet und führt zu Entscheidungen. Investitionen in neue Produktionssysteme werden aufgeschoben. Aber auch in privaten Haushalten werden alte Geräte länger genutzt, die Investition in neue Geräte aufgeschoben.

Kann eine Energiekrise zu einer Wirtschaftskrise werden? Immer dann, wenn Energie so teuer wird, daß die Kosten für Energie dazu führen, daß in anderen Bereichen weniger Geld ausgegeben wird. Natürlich profitieren Unternehmer von hohen Energiepreisen, aber das sind relativ wenige.
Besonders betroffen sind energieintensive Wirtschaftszweige, die verzichtbare Produkte herstellen. Dazu gehören die Hersteller großer Autos und die Flugunternehmen -- der dramatische Rückgang des Verkaufs von SUV in den USA und die hohen Treibstoffzuschläge der Luftfahrtunternehmen zeigen dies.

Kann eine Wirtschaftskrise zu einer Energiekrise führen? Zunächst nicht. Eine schwächelnde Konjunktur ist ja gerade dadurch geprägt, daß weniger Produkte und Dienstleistungen nachgefragt werden. Dies ist gleichbedeutend mit einem Rückgang des Energiebedarfs -- für die Herstellung von Produkten und das Bereitstellen von Dienstleistungen.
Werden Investitionen zurückgestellt, betrifft dies auch den Ausbau in die Infrastruktur zur Energieerzeugung und -verteilung. Wer wird bei einem Ölpreis von 40-45 US-Dollar pro Barrel 10 Milliarden in Ölförderanlagen oder eine Raffinierie investieren?
Bis solche Anlagen ihren Betrieb aufnehmen, vergehen Jahre. Kein Wunder, eine solche Investition muß schließlich sorgfältig geplant und umgesetzt werden.
Aber es betrifft auch die Automobilbranche: War das Elektroauto vor einem halben Jahr noch daß große Thema der Automobilhersteller und der Medien, ist es still darum geworden. Warum auch eine Produktion vollkommen in das ungewisse umstellen -- bei einem Ölpreis von 40-45 US-Dollar pro Barrel?

Fazit: Die derzeitige Wirtschaftskrise könnte der Keim für eine noch viel tiefere Energiekrise sein. Die Nachfrage nach Energie wird spätestens in 1--2 Jahren wieder steigen. Energie wird dadurch knapp auf dem Markt, die Preise steigen.
Jetzt muß investiert werden in eine zukunftsfähige Energieversorgung. Das bedeutet nicht, den alten Weg weiterzugehen. Die beste Investition ist die Förderung von Wissenschaft, Forschung und Entwicklung im Umfeld der Energietechnik und unseres Umgangs mit Energie.